Bertolt Brechts Plagiatsstreit mit dem Österreicher Karl Klammer - heute Buchpräsentation im Bezirksmuseum Döbling
- Robert Sedlaczek

- 17. Sept. 2025
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Karl Klammer war mit seiner Übersetzung von Arthur Rimbaud und François Villon ein Wegbereiter des Expressionismus im deutschen Sprachraum. Durch diese zwei Bücher hat auch Bert Brecht die damals kaum bekannten französischen Autoren kennen und schätzen gelernt. Der aufsehenerregende Plagiatsstreit rund um die Dreigroschenoper, entfacht von Brechts Erzfeind Alfred Kerr, wurde laut Klammer in finanzieller Hinsicht „gütlich bereinigt“ – nachdem er zunächst von dem „als Mordsbolschewiken bekannten Bert Brecht“ kein Geld nehmen wollte.
Von der ersten Abrechnung der deutschsprachigen Bühnenrechte kaufte Klammer seiner Frau einen kleinen Weingarten direkt vor seiner Villa, ließ einen Dreigroschentropfen keltern und spendete einen Teil des Honorars einer überparteilichen Schriftstellerorganisation, die ihm von Alfred Kerr genannt worden war.
Später ärgerte er sich, dass die Filmrechte ungeklärt geblieben sind. Laut Brecht war Klammers Villon eine „klassische Nachdichtung“, zu deren Neuauflage er ein keckes und verkaufsförderndes Sonett beisteuerte. Er empfahl, Klammers Villon zu lesen und mit seinen Songs in der Dreigroschenoper zu vergleichen, weil man dann sieht, „welches die Unterschiede zwischen einer Ballade zum Singen und einer zum Lesen sind“. Sogar Karl Kraus meldete sich im Plagiatsstreit zu Wort: pro Brecht und kontra Kerr.
Klammers spannende Lebensgeschichte reicht von der Endphase der Monarchie über zwei Diktaturen bis zum Wiederaufbau in den fünfziger Jahren. Sie wird in diesem Buch durch die erstmalige Veröffentlichung von persönlichen Notizen sowie von Teilen seiner verschollen geglaubten Korrespondenz mit Schriftstellern und Verlegern wieder lebendig.
War Bert Brecht ein kaltschnäuziger oder ein reuiger Plagiator? Warum zerbrach Klammers Freundschaft mit seinem zunächst geschätzten Gymnasialkollegen Stefan Zweig? War Alexander Lernet-Holenia im Plagiatsstreit wirklich „ein fairer Sekundant als der Wirbelsturm um die Dreigroschenoper durch den Tagesblätterwald brauste“? Am Ende des im Reportagestil verfassten Buches heißt es: „Die Buchdeckel zu und alle Fragen offen. Machen Sie sich selbst den Schluss!“
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Robert Sedlaczek: "Karl Klammer und der Plagiatsstreit mit Bertolt Brecht um die Dreigroschenoper. Wie ein k.u.k. Dragoneroffizier unversehens in eine Literaturdebatte geriet, 324 Seiten, in Kürze im Buchhandel
Buchpräsentation am Mittwoch, dem 17. September, 18.30 Uhr im Bezirksmuseum Döbling, Döblinger Hauptstraße 96, Eintritt frei.

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