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Gottschalk verabschiedet sich – die Feministinnen und die Behinderten kriegen ihr Fett ab

Der Kommentar in der Tageszeitung "Die Presse" war treffend: "Die dreist bis dümmlichen Kommentare und Fragen Gottschalks sind mühsam geworden (jüngste Beispiele: ‚Ich hätte dir die Feministin nicht angesehen‘, ,Du bist den ganzen Tag an den Rollstuhl gefesselt, welche Krankheit hast du?‘). Und für einen früheren Fernsehstar ist eh freilich besser zu gehen, bevor er noch gegangen wird."


Ein Mann, dem dauernd der Schalk im Nacken sitzt und der sich für Gott hält, hat offensichtlich das Gefühl, dass alle Tabubrüche erlaubt sind und dass sie Charme haben - in seiner letzten Show wollte sich der Blonde als alter weißer Mann geben und es den Jungen noch einmal zeigen. Das ist gehörig in die Binsen gegangen.


Wir leben in einer Zeit, in der die Political Correctness oft auf die Spitze getrieben wird und die Mehrheit der Menschen mit den zahlreichen Sprachverboten nicht mehr mitkommt. Aber dass Feministinnen hässlich sind, ist ein Vorurteil aus der Mottenkiste. Und Menschen mit Behinderung sind nicht "an den Rollstuhl gefesselt", der Rollstuhl erlaubt es ihnen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Nicht zuletzt ist Behinderung keine "Krankheit".


Apropos Behinderung: Größere Arbeitgeber in Österreich sollen Menschen mit Behinderung anstellen. Unternehmen, die diese Pflicht nicht erfüllen, müssen eine sogenannte Ausgleichstaxe zahlen, eine Art Strafzahlung in Höhe von mehreren hundert Euro pro Monat.


Wie auf heute.at zu lesen ist, erfüllten die Grüne Bundespartei und ihre Unterorganisationen diese Vorgaben im Erhebungszeitraum nicht – keine einzige Person mit einem Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent war angestellt.


Aber der Partei zufolge hat damals schon im Parlaments-Klub ein Rollstuhlfahrer gearbeitet. Die Behinderung sei allerdings erst zwei Monate später anerkannt worden. Würde man die Person mitzählen, hätten die Grünen mehr als sechzig Prozent erreicht – denn Menschen mit Rollstuhl werden als zwei besetzte Pflichtstellen gezählt. In Reaktion auf den Zeitungsbericht gaben die Grünen außerdem bekannt, dass sie im Parlamentsklub die Beschäftigungspflicht inzwischen übererfüllen, einen Nachholbedarf gäbe es in der Landesorganisation Wien. Anspruch und Wirklichkeit klaffen also immer noch auseinander.

Die ÖVP belegte in der Erhebung den vorletzten Platz und zahlte allein für den September 2020 mehr als 20.000 Euro Ausgleichstaxe – vorwiegend aus Mitteln öffentlicher Förderungen, also mit Steuergeld. Neos und FPÖ wiesen einen Erfüllungsgrad von hundert Prozent auf, die SPÖ glänzte mit einer Übererfüllung von 105 Prozent.


Die Recherche von heute.at ist in Zusammenarbeit mit der inklusiven Redaktion "andererseits" und dem Projekt "Daten für alle" zustande gekommen. Sie zeigt auch einen Fehler im System: Die Ausgleichstaxe ist zu niedrig.



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