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Grußformeln auf dem Lande: "Hallo" wird häufiger, "Grüß Gott" oder "Griaß di" bleibt erhalten

Autorenbild: Robert Sedlaczek
Robert Sedlaczek
23. Sept.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Hallo wird in Österreich zur häufigsten Grußformel, traditionelle Formen wie Grüß Gott oder Griaß di bleiben aber erhalten, auch bei den Jüngeren. Dies zeigt eine Studie der Linguistin Katharina Korecky-Kröll vom Austrian Centre for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW); sie wurde in der Fachzeitschrift Languages in englischer Sprache veröffentlicht und ist hier abrufbar.


Untersucht wurden die Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln in zwei Experimenten – zum einen eine formelle Begegnung in einem städtischen Geschäft, zum anderen eine informelle Begegnung in der lokalen Bäckerei. Im städtischen Geschäft bevorzugten die Teilnehmer altersübergreifend ein Grüß Gott, in der lokalen Bäckerei ein Griaß di. Das war zu erwarten, zuhause wird im Dialekt geredet, in der Stadt bedient man sich eher der Standardsprache.


Der Gruß Hallo belegt in beiden Fällen den zweiten Platz und wird immer häufiger verwendet.


Ich habe den Eindruck, dass Hallo nicht zufällig im Kommen ist. Hallo geht immer: Auf dem Lande, in der Stadt, ich muss auch nicht nachdenken, ob ich mit jemandem per Sie oder per Du bin, wenn er mir überraschend über den Weg läuft. Außerdem verwenden viele zwei Grußformeln hintereinander: Hallo! Grüß dich!


(c) Didgeman, lizensiert von Pixabay
(c) Didgeman, lizensiert von Pixabay

Das Servus werde im ländlichen Raum eher selten gebraucht, aber wenn, dann als Begrüßung. Die Formel Heil bzw. Heile ist in Vorarlberg gängig, sie ist kein Ausdruck einer rechten Gesinnung.


Grundtenor des Studienberichts: Bei den Grußformeln gibt es keinen nennenswerten Sprachwandel. Auf dem Lande, muss man betonen, denn nur dort wurde geforscht, es wurden 152 Personen in 13 ländlichen Orten befragt.


In den Städten wird auch mit Servus bzw. Servas und Tschüss gegrüßt


Bezieht man auch die Städte mit ein, ergibt sich ein anderes Bild. Das Meinungsforschungsinstitut Spectra hatte schon 2019 Hallo an erster Stelle, vor Servus bzw. Servas sowie Tschüss. Die beiden Formeln Grüß dich bzw. Griaß di belegten in ihrer Gesamtheit Platz 4. Befragt wurden 1.000 Personen in ganz Österreich. Die Unterschiede zwischen Stadt und Land sind also gewaltig. Aus anderen Untersuchungen wissen wir auch, dass die Dialekte im ländlichen Regionen wesentlich stabiler sind als in den Städten. Die demoskopischen Ergebnisse zeigen auch, dass Frauen ein wenig anders grüßen als Männer.


Hinzu kommt ein ideologischer Aspekt. Ein betontes Grüß Gott kann in Wien auch als als politisches Bekenntnis interpretiert werden, obwohl die Herkunft des ursprünglich christlichen Grußes bereits stark verblasst ist, besonders bei Grüß dich, wo das Wort "Gott" weggefallen ist. Es geht um eine alte Bedeutung von "grüßen", gemeint ist nicht Gott grüße dich, sondern Gott segne dich.


Vor einiger Zeit hat dieses Thema zu einer politischen Kontroverse geführt. Sie wurde sogar im Ausland wahrgenommen, und ist hier ausführlich dokumentiert.

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