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Robert Sedlaczek
Journalist und Sachbuchautor
Sprachblog


Dialekt als Zweitsprache fordert das Gehirn heraus - geeignete "Lehrmittel" von H. C. Artmann, Ernst Molden, Felix Mitterer etc.
Dialekte unterscheiden sich von der Standardsprache nicht nur durch die Aussprache und den Wortschatz, sie haben auch eine eigene Grammatik. So gesehen sind sie wie eine eigene Sprache. Sie sind maßgeschneidert für die Alltagskommunikation - und besonders nuancenreich, wenn es um die Bereiche "essen", "trinken", "lieben", "weinen", "fortbewegen" geht - oder um "aggressiv reden, handgreiflich werden etc."; letzteres wird oft fälschlich als Kern des Dialekts angesehen und amüsi

Robert Sedlaczek
vor 4 Tagen4 Min. Lesezeit


Warum ausgerechnet "Simmering gegen Kapfenberg ..." ?
Dass Helmut Qualtinger den berühmten Satz geprägt hat, kann man als allgemein bekannt voraussetzen. Aber wie kam er auf diese Idee? Es handelt sich um ein literarisches Zitat, das in die (Sprach-)Geschichte Österreichs eingegangen ist. Im ersten "Travnicek"-Dialog heißt es wörtlich: "Travnicek, was sagt Ihnen Spanien?" - "Offen gestanden - nichts. Die Stierkämpf´ - a matte Sache... Simmering-Kapfenberg, das nenn' i Brutalität... Der Malaga is' ka Heuriger... Und die Regierung

Robert Sedlaczek
15. Juli3 Min. Lesezeit


Die ominöse "Trumpkarte" - aber wie kam die "Arschkarte" ins Fußballspiel?
Die Häme ist groß. Donald Trump hatte Giovanni Infantino gebeten, die rote Karte für einen US-amerikanischen Spieler "zu überprüfen", wie er sagte. Daraufhin hat die folgsame FIFA die bereits verhängte Sperre auf Bewährung ausgesetzt. Der Stürmer durfte auflaufen, aber seine Mannschaft verlor trotzdem gegen Belgien 1:4. In den sozialen Netzwerken kursierten am Tag danach jede Menge KI-generierte Memes, also gestellte Filmchen oder Fotos mit satirischen Kommentaren. Auf einem

Robert Sedlaczek
8. Juli4 Min. Lesezeit


"I wer' narrisch!" und "Bist du deppert!" - zwei ORF-Kommentatoren als Teil der Fußballgeschichte
Was sagt man, wenn Unglaubliches am Fußballfeld passiert? Wie werden Emotionen mit einer volkstümlichen Phrase ausgedrückt? Edi Finger ist 1978 im argentinischen Córdoba durch Österreichs 3:2-Sieg über Deutschland berühmt geworden, jetzt hatte Daniel Warmuth die gleiche Chance, und er hat sie wahrgenommen. Er kommentierte das 3:3 gegen Algerien, den Ausgleich in buchstäblich letzter Sekunde, ebenfalls mit einem typischen Satz aus der Alltagskommunikation. Dazwischen liegt gr

Robert Sedlaczek
1. Juli4 Min. Lesezeit


Wie die flapsige Wendung "nichts für ungut" entstanden ist
Es ist eine Phrase mit einer rätselhaften Herkunft: Nichts für ungut! Nur die Bedeutung ist augenscheinlich: Es ist eine Beschwichtigungsformel. Sie wird verwendet, um zum Ausdruck zu bringen, dass eine kritische Aussage nicht als böse oder verletzend aufgefasst werden soll. Eine möglicherweise etwas hart ankommende Äußerung soll abgeschwächt werden. Aber wieso heißt es: Nichts für ungut? Das mit un- verneinte gut kehrt die Bedeutung des Wortes ins Gegenteil. Es bedeutet: (a

Robert Sedlaczek
24. Juni2 Min. Lesezeit


Schweizer Fußballsprache: Mätschli, Füdlipass und Bänkliwärmer
Vom Österreichischen nicht weit entfernt ist die Schweizer Fußballsprache. Der gemeinsame Nenner sind die Ausdrücke aus dem Englischen: Corner, Goalie, Kickoff, Offside, Out, Penalty etc. Der Braunschweiger Gymnasiallehrer Konrad Koch ist mit seinen Eindeutschungen auch in der Eidgenossenschaft wirkungslos geblieben. (c) jorono, pixabay Genauer betrachtet gibt es in der Deutschschweiz mehr englische Ausdrücke als in Österreich. Sogar das klassische Wort für Fußball spielen ko

Robert Sedlaczek
17. Juni2 Min. Lesezeit


Der Dialektausdruck "die Höschn" ist Wiener Fußballersprache - und nicht nur das.
Sogar der Baden-Württemberger Ralf Rangnick, Österreichs Nationaltrainer, wird den Ausdruck inzwischen kennen: die Höschn. Er ist schon längst bei uns sprachlich angekommen, "leiwand ist ein schönes Wort" sagte er einmal zum "Kurier". Gemeint ist mit die Höschn, standardsprachlich auch die Hösche, ein klassisches Übungsspiel, es wird oft auch zum Aufwärmen verwendet. Fünf oder mehr Spieler bilden einen Kreis, ein Spieler steht in der Mitte, manchmal sind es auch zwei. Die Spi

Robert Sedlaczek
10. Juni3 Min. Lesezeit


Wir sagen Corner, ihr sagt Ecke, wir sagen Kapitänsschleife, ihr sagt Binde.
Die Fußballersprache Deutschlands ist anders gestrickt als die österreichische. In Österreich heißt es Corner, Out, Hands etc., in Deutschland Ecke, Ball im Aus, Handspiel etc. Es wird also bei unserem großen Nachbarn viel stärker eingedeutscht, während wir das englische Original zumindest als Zweitausdruck beibehalten haben. Warum? Der Grund ist in der Anfangsphase des Fußballsports zu suchen. Im Jahr 1903 veröffentlichte Konrad Koch, ein Lehrer aus Braunschweig, der sich um

Robert Sedlaczek
3. Juni2 Min. Lesezeit


Ist "in keinster Weise" richtiges und gutes Deutsch?
Die Phrase ist oft zu hören - und sie bringt manche Menschen auf die Palme. Damit soll eine kategorische Ablehnung zum Ausdruck gebracht werden. Aber darf man das sagen? Darf man es schreiben? Wie in Fragen dieser Art geht es um sprachliche Konventionen, nicht um das, was im Rechtschreib-Duden und in den Grammatiken steht, die angeblich normgebend sind. Beim Wort kein, auch bei keine/keiner/keines, handelt es sich um ein sogenanntes Absolutadjektiv. So werden Eigenschaftswört

Robert Sedlaczek
27. Mai2 Min. Lesezeit


Warum wir Menschen als Wappler bezeichnen und wie Karl Öllinger den Basiswappler popularisierte
Wappler ist ein wienerischer Ausdruck, dessen Bedeutung und Herkunft oft diskutiert wird. Eine Ableitung von lateinisch vapulare (= Prügel bekommen) steht auf tönernen Füßen. Wäre vapulare aus dem Lateinischen entlehnt worden, hätte es zunächst wohl vapulieren lauten müssen, analog zu fabulare und fabulieren oder irrtitare zu irritieren. Das Zeitwort vapulieren ist allerdings nicht belegt. Wäre davon ein Hauptwort gebildet worden, müsste dieses Wapulierer oder Waplierer heiß

Robert Sedlaczek
20. Mai3 Min. Lesezeit


Der Ur-Beserlpark lag am Donaukanal
Ein Park mit kümmerlichen Bäumen und Sträuchern wird in ganz Österreich als Beserlpark bezeichnet. Manchmal wird damit laut Wikipedia auch ohne abwertenden Charakter ein Kleinparkanlage bezeichnet oder eine kleine städtische Parkanlage vom Ausmaß einer größeren Verkehrsinsel oder ein begrünter Vorplatz eines Gebäudes. Rund um die Entstehungsgeschichte des Ausdrucks ranken sich Mythen und Fehlmeinungen, jetzt hat Johann Werfring in einem bei Böhlau erschienenen Buch den Sachve

Robert Sedlaczek
13. Mai3 Min. Lesezeit


Warum die Aussprache von Thalia für Gesprächsstoff sorgt
Thalia ist eine der neun Musen in der griechischen Mythologie. Der Name bedeutet so viel wie "blühendes Glück, fröhliches Gelage". Sie ist die Muse der komischen Dichtung und der Unterhaltung, auch die Beschützerin der Theaterspielstätten. In Hamburg ist ein Theater nach ihr benannt. Thalia (Stich von Virgil Solis aus P. Ovidii Metamorphosis von 1562). Als Kind hörte ich den Namen zigmal: Meine böhmische Großmutter mütterlicherseits wohnte in Ottakring in der Thaliastraße. Ic

Robert Sedlaczek
6. Mai2 Min. Lesezeit


Warum Künstliche Intelligenz (KI) halluziniert
Künstliche Intelligenz kann nicht nur Texte verfassen, Bilder zeichnen, Programme schreiben, sondern auch jede beliebige Frage in Windeseile beantworten, zum Beispiel: Wer waren die Eltern von Donald Trump? Binnen Sekunden hat die KI, in meinem Fall war es Bing, alle Informationen beisammen: aus Wikipedia, Spiegel, Stern, News etc. Dann stelle ich die Frage: "Ist Donald Trump psychisch krank?" In diesem Fall bekomme ich keine direkte Antwort, sondern Links zu Beiträgen aus Ze

Robert Sedlaczek
29. Apr.2 Min. Lesezeit


Warum sagen wir "schlafen/schnarchen wie ein Ratz"?
Das Wort Ratz, eine Variante von Ratte, ist in Österreich, in Süddeutschland und in der Schweiz gebräuchlich. Dort heißt es auch schlafen wie ein Ratz, also tief und fest schlafen, sowie schnarchen wie ein Ratz. Die Ableitung hat allerdings einen Haken: Ratten, in der westlichen Kultur meist mit negativen Attributen behaftet, halten keinen Winterschlaf. Sie sind außerdem dämmerungs- und nachtaktiv. Man muss also in alten Wörterbüchern graben: Früher war Ratz auch eine volkstü

Robert Sedlaczek
22. Apr.2 Min. Lesezeit


"Die Österreicher sind Säufer, geistig dement und widerwärtig zu Frauen"
Es ist immer problematisch einer Nation bestimmte negative Charaktereigenschaften zuzuschreiben. in meinem Buch " Sprachwitze " habe ich mich mit diesem Thema auseinandergesetzt, denn es gibt eine große Zahl von ethnophaulistischen Witzen - diesen Umstand zu leugnen, wäre Realitätsverweigerung, sie zu analysieren, ist notwendig. Hier ein Beispiel für Ethnophaulismus gegenüber Polen: Ein Österreicher wechselt am Pannenstreifen der Autobahn einen Reifen. Hält ein Pole an und s

Robert Sedlaczek
15. Apr.2 Min. Lesezeit


Wiederkehrs Kehrtwende: Petitionen gegen die Kürzungen bei Latein und zweiter Fremdsprache haben gewirkt
Über 50.000 Menschen haben die zwei Petitionen gegen die geplanten Kürzungen im Stundenplan bei Latein und bei der zweiten lebenden Fremdsprache unterschrieben - jetzt hat Unterrichtsminister Christoph Wiederkehr (Neos) eingelenkt. Nach außen wollte er den Eindruck erwecken, dass sein Vorhaben wie geplant realisiert wird - damit sich sein Gesichtsverlust in Grenzen hält. In Wirklichkeit haben die Unterzeichner der Petitionen gewonnen, mit Unterstützung zahlreicher Journaliste

Robert Sedlaczek
8. Apr.1 Min. Lesezeit


Woher kommt die Wendung "am Katzentisch sitzen"?
Der deutsche Politikwissenschafter, USA-Kenner und Sicherheitsexperte Josef Braml hat wieder einmal in einem ORF-Journal pointiert die Weltlage erklärt. Zu den Bemühungen, die zwei Kriege - Ukraine und Iran - zu beenden, meinte er: "Leider sitzen wir Europäer bei diesen Verhandlungen nicht einmal am Katzentisch. " Ein treffendes Bild. Für mich hat das Wort Katzentisch eine unangenehme Konnotation. Wenn ich in einem Lokal telefonisch für zwei Personen reserviert habe und bei

Robert Sedlaczek
1. Apr.1 Min. Lesezeit


"Die Wiener Seele" - ein lesenswertes Kompendium von Andrea Maria Dusl
In jeder Nummer der Wochenzeitung "Falter" beantwortet Andrea Maria Dusl Fragen ihrer Leserinnen und Leser zu Wiener Begriffen, Redewendungen und Eigenheiten - unter dem Titel "Fragen Sie Frau Andrea". Jetzt sind hundert ihrer luziden Beiträge im "Falter"-Verlag in dem Buch "Die Wiener Seele" erschienen. Da Andrea Dusl auch eine hervorragende Grafikerin und Zeichnerin ist, enthält das Buch auch treffsichere humoristische Schaubilder zu Wiener Typen: der Strizzi, der Gschaftl

Robert Sedlaczek
25. März2 Min. Lesezeit


Roland Weißmann versus Gerd Bacher: The Times They Are A-changin
Die Me Too-Bewegung ist ein gesellschaftlicher Fortschritt. Was früher unter den Teppich gekehrt wurde, führt seit 2017, als die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein bekannt wurden, zu einer öffentlichen Debatte, und auch zu Konsequenzen. Einst bezeichnete ORF-General Gerd Bacher die weiblichen Angestellten des ORF als "Trutschen, Pritschen und Mentscher, die ihre Prüfungen besser im Bett als im Büro machen." Mit den drei Ausdrücken hat jeder Dialektforscher, der auf der Suche n

Robert Sedlaczek
18. März2 Min. Lesezeit


Erich Kocinas Öffi-Wörterbuch: Von Angsthäuferl bis Zwicken
"Der öffentliche Verkehr ist ein Thema, das so ziemlich alle Menschen betrifft. Weil sie an Straßenbahn, Bus und U-Bahn kaum vorbeikommen, ob als Nutzer oder als Autofahrer, Radler oder Fußgänger, der Bim ausweichen müssen." Mit diesen Worten leitet Erich Kocina sein interessantes und lesenswertes "Wiener Öffi-Wörterbuch" ein, erschienen bei Ueberreuter, hier ein Blick ins Buch. Die gesammelten Ausdrücke werden journalistisch elegant präsentiert - Kocina ist Chef vom Dienst

Robert Sedlaczek
11. März3 Min. Lesezeit
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