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Robert Sedlaczek
Journalist und Sachbuchautor
Sprachblog


Warum sagen wir "schlafen/schnarchen wie ein Ratz"?
Das Wort Ratz, eine Variante von Ratte, ist in Österreich, in Süddeutschland und in der Schweiz gebräuchlich. Dort heißt es auch schlafen wie ein Ratz, also tief und fest schlafen, sowie schnarchen wie ein Ratz. Die Ableitung hat allerdings einen Haken: Ratten, in der westlichen Kultur meist mit negativen Attributen behaftet, halten keinen Winterschlaf. Sie sind außerdem dämmerungs- und nachtaktiv. Man muss also in alten Wörterbüchern graben: Früher war Ratz auch eine volkstü

Robert Sedlaczek
vor 1 Stunde2 Min. Lesezeit


"Die Österreicher sind Säufer, geistig dement und widerwärtig zu Frauen"
Es ist immer problematisch einer Nation bestimmte negative Charaktereigenschaften zuzuschreiben. in meinem Buch " Sprachwitze " habe ich mich mit diesem Thema auseinandergesetzt, denn es gibt eine große Zahl von ethnophaulistischen Witzen - diesen Umstand zu leugnen, wäre Realitätsverweigerung, sie zu analysieren, ist notwendig. Hier ein Beispiel für Ethnophaulismus gegenüber Polen: Ein Österreicher wechselt am Pannenstreifen der Autobahn einen Reifen. Hält ein Pole an und s

Robert Sedlaczek
15. Apr.2 Min. Lesezeit


Wiederkehrs Kehrtwende: Petitionen gegen die Kürzungen bei Latein und zweiter Fremdsprache haben gewirkt
Über 50.000 Menschen haben die zwei Petitionen gegen die geplanten Kürzungen im Stundenplan bei Latein und bei der zweiten lebenden Fremdsprache unterschrieben - jetzt hat Unterrichtsminister Christoph Wiederkehr (Neos) eingelenkt. Nach außen wollte er den Eindruck erwecken, dass sein Vorhaben wie geplant realisiert wird - damit sich sein Gesichtsverlust in Grenzen hält. In Wirklichkeit haben die Unterzeichner der Petitionen gewonnen, mit Unterstützung zahlreicher Journaliste

Robert Sedlaczek
8. Apr.1 Min. Lesezeit


Woher kommt die Wendung "am Katzentisch sitzen"?
Der deutsche Politikwissenschafter, USA-Kenner und Sicherheitsexperte Josef Braml hat wieder einmal in einem ORF-Journal pointiert die Weltlage erklärt. Zu den Bemühungen, die zwei Kriege - Ukraine und Iran - zu beenden, meinte er: "Leider sitzen wir Europäer bei diesen Verhandlungen nicht einmal am Katzentisch. " Ein treffendes Bild. Für mich hat das Wort Katzentisch eine unangenehme Konnotation. Wenn ich in einem Lokal telefonisch für zwei Personen reserviert habe und bei

Robert Sedlaczek
1. Apr.1 Min. Lesezeit


"Die Wiener Seele" - ein lesenswertes Kompendium von Andrea Maria Dusl
In jeder Nummer der Wochenzeitung "Falter" beantwortet Andrea Maria Dusl Fragen ihrer Leserinnen und Leser zu Wiener Begriffen, Redewendungen und Eigenheiten - unter dem Titel "Fragen Sie Frau Andrea". Jetzt sind hundert ihrer luziden Beiträge im "Falter"-Verlag in dem Buch "Die Wiener Seele" erschienen. Da Andrea Dusl auch eine hervorragende Grafikerin und Zeichnerin ist, enthält das Buch auch treffsichere humoristische Schaubilder zu Wiener Typen: der Strizzi, der Gschaftl

Robert Sedlaczek
25. März2 Min. Lesezeit


Roland Weißmann versus Gerd Bacher: The Times They Are A-changin
Die Me Too-Bewegung ist ein gesellschaftlicher Fortschritt. Was früher unter den Teppich gekehrt wurde, führt seit 2017, als die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein bekannt wurden, zu einer öffentlichen Debatte, und auch zu Konsequenzen. Einst bezeichnete ORF-General Gerd Bacher die weiblichen Angestellten des ORF als "Trutschen, Pritschen und Mentscher, die ihre Prüfungen besser im Bett als im Büro machen." Mit den drei Ausdrücken hat jeder Dialektforscher, der auf der Suche n

Robert Sedlaczek
18. März2 Min. Lesezeit


Erich Kocinas Öffi-Wörterbuch: Von Angsthäuferl bis Zwicken
"Der öffentliche Verkehr ist ein Thema, das so ziemlich alle Menschen betrifft. Weil sie an Straßenbahn, Bus und U-Bahn kaum vorbeikommen, ob als Nutzer oder als Autofahrer, Radler oder Fußgänger, der Bim ausweichen müssen." Mit diesen Worten leitet Erich Kocina sein interessantes und lesenswertes "Wiener Öffi-Wörterbuch" ein, erschienen bei Ueberreuter, hier ein Blick ins Buch. Die gesammelten Ausdrücke werden journalistisch elegant präsentiert - Kocina ist Chef vom Dienst

Robert Sedlaczek
11. März3 Min. Lesezeit


Die Propagandisten Donald Trumps haben uns ein neues Wort beschert
Wenn bekannt wird, dass die US-Armee einen militärischen Schlag durchführt, schalte ich CNN ein. Der Sender ist dann auch in den folgenden Tagen meine wichtigste Nachrichtenquelle. Die sind besser informiert als die BBC und natürlich auch besser als die deutschsprachigen TV-Stationen. Dabei fiel mir auf, dass in den Erklärungen des Präsidenten und seiner Minister, vor allem des Kriegsministers – so heißt seit kurzem der Verteidigungsminister – und des Außenministers immer wie

Robert Sedlaczek
4. März2 Min. Lesezeit


Überfall Russlands auf die Ukraine: Erst wurde die Sprache diskriminiert, dann kamen die Panzer
"Meine Muttersprache, das Ukrainische, wurde jahrhundertelang im Zuge des russischen linguistischen Kolonialismus unterdrückt und diskriminiert", schreibt die in Wien lebende ukrainische Wissenschafterin Oksana Havryliv in einem Gastbeitrag in der Tageszeitung "Die Presse". Anlass war der von der UNESCO ausgerufene Internationale Tag der Muttersprache. Silhouette eines Soldaten vor der Nationalflagge der Ukraine und vor jener Russlands (c) iStock Havryliv schildert eindrucks

Robert Sedlaczek
25. Feb.2 Min. Lesezeit


Latein und zweite Fremdsprache: Die Petitionen wirken
Neos-Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat mit seinen angekündigten Lehrplanreformen, die eine Kürzung des Lateinunterrichts und der zweiten Fremdsprache zugunsten von Informatik und Künstlicher Intelligenz vorsehen, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Petition "Latein ist kein Luxus - es ist Bildung", siehe meinen früheren Blog , kam bis dato auf knapp 40.000 Unterschriften, die etwas später gestartete Petition "Natürliche Intelligenz stärken - mit fundiertem Sprac

Robert Sedlaczek
18. Feb.3 Min. Lesezeit


Woran zu erkennen ist, dass ein Beitrag von einer KI generiert wurde.
Neulich habe ich einen Blog veröffentlicht, mit dem Titel "Wenn Wörter in den Schützengraben ziehen" Er war von einer Künstlichen Intelligenz verfasst und ist hier nachzulesen. Es ging mir darum zu zeigen, wie gut oder wie schlecht diese Programme funktionieren. Auch die Überschrift "Wenn Wörter in den Schützengraben ziehen" war nicht von mir, sondern von der KI. Woran erkenne ich, dass ein Text von einer Künstlichen Intelligenz erstellt wurde? Im Internet gibt es zahlreiche

Robert Sedlaczek
11. Feb.3 Min. Lesezeit


Latein ist kein Luxus, sondern Bildung - was gegen die geplante Kürzung spricht
Wieder einmal geht es dem Lateinunterricht an den Kragen. Er soll gekürzt werden, zugunsten von Informatik und Künstlicher Intelligenz. Ich bin dagegen. Genauso bin ich dagegen, dass man gleichzeitig die zweite Fremdsprache kürzt. Das würde einen eigenen Blogbeitrag rechtfertigen. Latein ist nicht nur für Ärzte und Pharmazeuten wichtig, nicht nur für Rechtsanwälte, Richter und Theologen, sondern auch für all jene, die Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch oder R

Robert Sedlaczek
4. Feb.2 Min. Lesezeit


Donald Trump ist der TACO-Präsident - aber Taco hat auch andere Bedeutungen
TACO ist ein Akronym für Trump Always Chickens Out . Es wurde von dem britischen Journalisten Robert Armstrong erfunden. Gemeint waren Trumps Kehrtwendungen in der Zollpolitik. Er kündigt gigantische Zölle an und nimmt die Ankündigung später zurück. Armstrong schrieb am 2. Mai 2025 in der "Financial Times" in einer eingehender Analyse der Finanzmärkte: "The US administration does not have a very high tolerance for market and economic pressure, and will be quick to back off w

Robert Sedlaczek
28. Jan.2 Min. Lesezeit


Ein neues Modewort, das eigentlich recht alt ist
Neulich las ich auf ORF-Online über den Schriftsteller Julian Barnes: Viele Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Werk, etwa das Verhältnis vom Leben zur Kunst, die er in Büchern über Dmitri Schostakowitsch und Arthur Conan Doyle verhandelte. Verhandelte! In diesem Beispielsatz werden also Themen nicht be-, sondern ver-handelt. Ich könnte viele Belege dieser Art zitieren, auch aus Tageszeitungen und aus Fernsehdiskussionen. Die klassische Bedeutung von verhandeln,

Robert Sedlaczek
21. Jan.1 Min. Lesezeit


"Der Raum für echte Meinungsfreiheit wird immer mehr eingeschränkt!"
Papst Leo XIV. überraschte in seiner ersten Neujahrsansprache mit zahlreichen und deutlichen politischen Aussagen über die Weltlage. Dass er vor Diplomaten aus mehr als 180 Ländern die militärischen Übergriffe auf Territorien anderer Staaten anprangerte, fand in der Berichterstattung österreichischer Medien große Beachtung. Er warnte vor einer wachsenden Bereitschaft zum Krieg, weltweit würden Staaten Militärgewalt einsetzen, das untergrabe die internationale Rechtsordnung, d

Robert Sedlaczek
14. Jan.2 Min. Lesezeit


Wenn Worte in den Schützengraben ziehen - Kriegsmetaphorik in der deutschen Sprache
Es beginnt harmlos. Jemand "schießt ein Argument ab", ein anderer "geht in die Offensive", und schon "liegt der Ball im gegnerischen Feld". Klingt nach Sport? Schön wär's. In Wahrheit marschieren wir sprachlich längst "im Gleichschritt" - direkt "ins Gefecht". Die deutsche Alltagssprache ist ein wahres Waffenarsenal. Politiker "feuern Parolen ab", Unternehmen "erobern Märkte", und in Talkshows wird "hart geschossen". Selbst im Büro herrscht keine Waffenruhe: Da werden "Strate

Robert Sedlaczek
7. Jan.2 Min. Lesezeit


Leopold Figls "Rundfunkrede 1945": Wie ich Zeitzeuge beim Aufdecken eines Irrtums wurde
Es wird irgendwann im Jahr 2000 gewesen sein: Ich arbeitete mit Horst Friedrich Mayer, dem beliebten ZIB-Moderator, an dem Buch "Die populären Irrtümer Österreichs" - er als Autor und Ideenlieferant, ich als Verleger und Mitverfasser. Eines Tages kam HFM, wie er im ORF abgekürzt wurde, zu mir mir ins Büro: "Ich habe einen Irrtum, der gut ins Buch passt: die angebliche Rundfunkrede Leopold Figls am Heiligen Abend des Jahres 1945." Die meisten hielten jenes Tondokument, das i

Robert Sedlaczek
31. Dez. 20254 Min. Lesezeit


Da samma, mit die Christbaama!
Dieser Spruch ist nicht nur zu Weihnachten in Gebrauch. Wenn jemand bepackt in eine Gesellschaft einbricht, wann auch immer, ist der Satz zu hören: Do samma, mit die Christbaama! Übersetzt für die Menschen im Norden Deutschlands: Hier sind wir mit den Weihnachtsbäumen! Nach dem gleichen Muster gibt es eine Reihe anderer Sprüche: Leider, sagt der Schneider (macht der Schuster keine Kleider): Aus der Ergänzung wird klar: Du bist an der falschen Adresse. Oft ein allgemeiner Au

Robert Sedlaczek
24. Dez. 20252 Min. Lesezeit


Gedanken zu Thomas Bernhards "Auslöschung" am Burgtheater - an der Aussprache könnt ihr uns erkennen
Es ist eine der Eigenheiten des Österreichischen: Wir sprechen das geschriebene ä anders aus als die Menschen im Norden des deutschen Sprachraums. Das Österreichische Wörterbuch erklärt es an Hand einiger Beispiele: Wir sprechen den e-Kurzvokal in "Lärche" und "Lerche" gleich aus. Egal ob es der Nadelbaum oder der Singvogel ist. Aus dem Kontext ist immer erkennbar, was gemeint ist. Wenn es um einen langen e-Vokal geht, wird "die Beeren" wie "die Bären" ausgesprochen, "Ähr

Robert Sedlaczek
17. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Das Wort des Jahres - verschiedene Ansätze, verschiedene Ergebnisse
Das Österreichische Wort des Jahres 2025 ist "Elch Emil", das Wort des Jahres 2025 in Deutschland ist "KI-Ära". Unterschiedliche Verfahren führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die österreichische Jury, zusammengestellt und angeführt von dem emeritierten Universitätsprofessor Rudolf Muhr, ermittelt seit 1999 das Wort des Jahres und erklärt das Ergebnis der Wahl 2025 "mit der wochenlangen, nationalen und internationalen medialen Aufmerksamkeit, die dem Geweihträger auf se

Robert Sedlaczek
10. Dez. 20252 Min. Lesezeit
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