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Robert Sedlaczek
Journalist und Sachbuchautor
Sprachblog


Falsche Karl-Kraus-Zitate, aber trotzdem reizvoll - meine persönliche Bestenliste
Karl Kraus ist bekannt für spitzfindige Aussagen, für Bonmots, mit denen sich Redner und Schreiber gerne schmücken. "Schon Karl Kraus hat gesagt ..." Aber in vielen Fällen stimmt das gar nicht, vieles, was landauf, landab zitiert wird, ist gar nicht von dem großen Schriftsteller, die Zitate werden ihm nur ins Nest gelegt, es sind Kuckuckszitate. In einigen anderen Fällen wurden Zitate von Karl Kraus verunstaltet. Wie hätte der Satiriker darauf reagiert? Karl Kraus (1874-1936)

Robert Sedlaczek
vor 5 Stunden6 Min. Lesezeit


"Nur ned hudeln!" Der österreichische Leitspruch für Entschleunigung
In einer Welt, die ständig schneller und hektischer wird, ist Entschleunigung lebensnotwendig: einen Gang herunterschalten, das Handy stumm stellen, ziellos durch einen Park, durch den Wald, schlendern oder einfach nichts tun. Wir, vor allem wir, vielleicht auch noch die Bayern, mit denen wir sprachlich einiges gemeinsam haben, besitzen dafür einen Ausdruck: Nur ned hudeln! Neulich habe ich, zu meiner Überraschung, den Satz auf einer Tafel in der Altstadt von Rhodos gesehen.

Robert Sedlaczek
7. Okt.3 Min. Lesezeit


Wie der Hund, der Tiger, das Wiesel, der Vogel zu Verben in unserem Wortschatz wurden
Zeitwörter, die ein menschliches Verhalten umschreiben und aus der Tierwelt stammen, sind besonders anschaulich. Lassen wir einige Revue passieren! Das zweithäufigste Haustier nach der Katze ist der Hund. Manche Hunde schwimmen gern, ihre typischen Schwimmbewegungen werden als hundeln bezeichnet. Auch Kinder, die erstmals Bekanntschaft mit einem stehenden oder fließenden Wasser machen, bedienen sich dieser Technik: Sie hundeln. Es ist eine Art Paddelbewegung, man sagt auch: e

Robert Sedlaczek
30. Sept.2 Min. Lesezeit


Grußformeln auf dem Lande: "Hallo" wird häufiger, "Grüß Gott" oder "Griaß di" bleibt erhalten
Hallo wird in Österreich zur häufigsten Grußformel, traditionelle Formen wie Grüß Gott oder Griaß di bleiben aber erhalten, auch bei den Jüngeren. Dies zeigt eine Studie der Linguistin Katharina Korecky-Kröll vom Austrian Centre for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW); sie wurde in der Fachzeitschrift Languages in englischer Sprache veröffentlicht und ist hier abrufbar. Untersucht wurden die Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln in zwei

Robert Sedlaczek
23. Sept.2 Min. Lesezeit


Warum das neue GENAU! so stark polarisiert
Ein Modewort macht die Runde: Das gute, alte Adverb und Adjektiv genau wird von jungen Menschen immer öfter als Diskursmarker verwendet. Diskursmarker sind Wörter, die keine eigentliche semantische Bedeutung haben, aber das Gespräch steuern. Ein derartiges Wort unseres Sprachraumes ist gell oder gö, es steht am Ende eines Satzes und kann als ein Heischen um Zustimmung interpretiert werden. "Bist du eh meiner Meinung?" Der Schweizer beendet eine Satz oft mit der Frage Od'r? Im

Robert Sedlaczek
16. Sept.3 Min. Lesezeit


Analyse der deutschen Wirtschaft: Welche Unternehmen gendern wirklich?
Ein Nürnberger Software-Haus, das Firmendaten recherchiert und anbietet, hat 2,3 Millionen Webseiten von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen untersucht und ist der Frage nachgegangen: Welche Unternehmen gendern wirklich? Die Listflix-Firmendatenbank, eine Tochter des Softwareunternehmens Datamego, hat festgestellt, dass 20,7 Prozent der Großunternehmen gendern, bei den mittelständischen Betrieben sind es immerhin 15,8 Prozent, aber nur 9,7 Prozent der Kleinunternehmen,

Robert Sedlaczek
9. Sept.1 Min. Lesezeit


Neue Studie zeigt: Die österreichischen Journalisten bewahren Austriazismen vor dem Aussterben
Das Sommerloch in der medialen Berichterstattung wird oft mit Sprachthemen gefüllt - so auch dieses Jahr. Kaum eine Zeitung hat es verabsäumt, über die unerwarteten Ergebnisse einer Studie von Frau Univ.-Prof. Alexandra Lenz von der Universität Wien zu berichten. Grundtenor: Die wichtigsten Austriazismen sind stabil, sie werden nicht durch Ausdrücke aus dem deutschen Deutsch ersetzt. Die Angst vor deren Aussterben sei also "überzogen", so war es in den Medien zu lesen, zu hör

Robert Sedlaczek
2. Sept.3 Min. Lesezeit


Die „Semmel(n)knödel(n)“ von Liesl Karlstadt und Karl Valentin: ein Lehrstück in Sachen Pluralbildung
Der Sketch ist legendär, das Publikum hat viel zu lachen und zu schmunzeln. Es geht im Grund genommen nur um ein "n" im Inneren eines Kompositums. Zur Erinnerung: ----- Karl Valentin: Semmelnknödeln. Liesl Karlstadt: Nein, man sagt schon von jeher Semmelknödeln. Karl Valentin: Ja, zu einem - aber zu mehreren Semmelknödeln sagt man Semmelnknödeln. Liesl Karlstadt: Aber wie tät man denn zu einem Dutzend Semmelknödeln sagen? Karl Valentin: Auch Semmelnknödeln - Semmel ist die Ei

Robert Sedlaczek
26. Aug.3 Min. Lesezeit


Die beleidigte Leberwurst - und warum es Menschen mit diesem Namen nicht leicht haben
Neulich bin ich gefragt worden, wie die Wendung Spiel' nicht die beleidigte Leberwurst! entstanden ist. Warum gerade die Leberwurst und nicht irgendeine andere "gefüllte Haut"? Die Leberwurst wird in nahezu allen Regionen des deutschen Sprachraums gern gegessen - in Österreich ist sie als Streichwurst oft Teil einer Brettljause - und genauso weit verbreitet ist die Redewendung Spiel' nicht die beleidigte Leberwurst! oder Sei nicht eine beleidigte Lebewurst! (c) Wolf-Henry Dre

Robert Sedlaczek
19. Aug.2 Min. Lesezeit


Am Gebäude des Wiener Konzerthauses fehlt ein Bindestrich
Das Wiener Konzerthaus ist seit 1913 ein Schauplatz bedeutender kultureller Aufführungen. Auch das Gebäude ist ein Juwel, es ist erbaut im Jugendstil, von berühmten Architekten. Neben dem Haupteingang findet sich ein kleiner Nebeneingang mit zwei Aufschriften über der Eingangstüre. Links steht: STAGE DOOR, damit auch englischsprachige Künstler den Weg finden. Merkwürdig ist die Aufschrift in deutscher Sprache: KÜNSTLER:INNENEINGANG Aber es ist der AUßEN-EINGANG für Künstler!

Robert Sedlaczek
12. Aug.1 Min. Lesezeit


Rettet den Bindestrich! Und die "Hohe Warte"!
"Obwohl er niemandem etwas getan hat, geht es dem Bindestrich an den Kragen. Für Marketing-Abteilungen und PR-Agenturen ist er anscheinend zum Unding geworden." So beginnt Wolfgang Kralicek am 8. Juli im "Kurier" das Einserkastl, im hausinternen Jargon Ohrwaschl genannt. Für Leser aus fremden Sprachräumen: Das Zeitwort einkasteln bedeutet in Süddeutschland und Österreich "mit einem Viereck umgeben", in diesem Fall ist ein Beitrag auf Seite eins einer Tageszeitung gemeint. Oh

Robert Sedlaczek
5. Aug.2 Min. Lesezeit


Stelze mit Senf und Kren im Schweizerhaus - oder lieber Rohscheiben?
Das Schweizerhaus ist berühmt für seine Schweinsstelzen. Aber nicht alle kommen deswegen in das Lokal im Wiener Prater: Manche essen einen Teller Rohscheiben und trinken dazu das perfekt gezapfte Budweiser. Auch gut und obendrein billig. Rohscheiben ist ein typisch wienerischer Ausdruck für Kartoffelchips. Wer das Wort auf duden.de eingibt, bekommt die Meldung: "Leider ergab Ihre Suchanfrage keine Treffer. Meinten Sie nachschreiben, durchschreiben oder Drehscheibe?" Wikipedia

Robert Sedlaczek
29. Juli3 Min. Lesezeit


Dialekt als Zweitsprache fordert das Gehirn heraus - geeignete "Lehrmittel" von H. C. Artmann, Ernst Molden, Felix Mitterer etc.
Dialekte unterscheiden sich von der Standardsprache nicht nur durch die Aussprache und den Wortschatz, sie haben auch eine eigene Grammatik. So gesehen sind sie wie eine eigene Sprache. Sie sind maßgeschneidert für die Alltagskommunikation - und besonders nuancenreich, wenn es um die Bereiche "essen", "trinken", "lieben", "weinen", "fortbewegen" geht - oder um "aggressiv reden, handgreiflich werden etc."; letzteres wird oft fälschlich als Kern des Dialekts angesehen und amüsi

Robert Sedlaczek
22. Juli3 Min. Lesezeit


Warum ausgerechnet "Simmering gegen Kapfenberg ..." ?
Dass Helmut Qualtinger den berühmten Satz geprägt hat, kann man als allgemein bekannt voraussetzen. Aber wie kam er auf diese Idee? Es handelt sich um ein literarisches Zitat, das in die (Sprach-)Geschichte Österreichs eingegangen ist. Im ersten "Travnicek"-Dialog heißt es wörtlich: "Travnicek, was sagt Ihnen Spanien?" - "Offen gestanden - nichts. Die Stierkämpf´ - a matte Sache... Simmering-Kapfenberg, das nenn' i Brutalität... Der Malaga is' ka Heuriger... Und die Regierung

Robert Sedlaczek
15. Juli3 Min. Lesezeit


Die ominöse "Trumpkarte" - aber wie kam die "Arschkarte" ins Fußballspiel?
Die Häme ist groß. Donald Trump hatte Giovanni Infantino gebeten, die rote Karte für einen US-amerikanischen Spieler "zu überprüfen", wie er sagte. Daraufhin hat die folgsame FIFA die bereits verhängte Sperre auf Bewährung ausgesetzt. Der Stürmer durfte auflaufen, aber seine Mannschaft verlor trotzdem gegen Belgien 1:4. In den sozialen Netzwerken kursierten am Tag danach jede Menge KI-generierte Memes, also gestellte Filmchen oder Fotos mit satirischen Kommentaren. Auf einem

Robert Sedlaczek
8. Juli4 Min. Lesezeit


"I wer' narrisch!" und "Bist du deppert!" - zwei ORF-Kommentatoren als Teil der Fußballgeschichte
Was sagt man, wenn Unglaubliches am Fußballfeld passiert? Wie werden Emotionen mit einer volkstümlichen Phrase ausgedrückt? Edi Finger ist 1978 im argentinischen Córdoba durch Österreichs 3:2-Sieg über Deutschland berühmt geworden, jetzt hatte Daniel Warmuth die gleiche Chance, und er hat sie wahrgenommen. Er kommentierte das 3:3 gegen Algerien, den Ausgleich in buchstäblich letzter Sekunde, ebenfalls mit einem typischen Satz aus der Alltagskommunikation. Dazwischen liegt gr

Robert Sedlaczek
1. Juli4 Min. Lesezeit


Wie die flapsige Wendung "nichts für ungut" entstanden ist
Es ist eine Phrase mit einer rätselhaften Herkunft: Nichts für ungut! Nur die Bedeutung ist augenscheinlich: Es ist eine Beschwichtigungsformel. Sie wird verwendet, um zum Ausdruck zu bringen, dass eine kritische Aussage nicht als böse oder verletzend aufgefasst werden soll. Eine möglicherweise etwas hart ankommende Äußerung soll abgeschwächt werden. Aber wieso heißt es: Nichts für ungut? Das mit un- verneinte gut kehrt die Bedeutung des Wortes ins Gegenteil. Es bedeutet: (a

Robert Sedlaczek
24. Juni2 Min. Lesezeit


Schweizer Fußballsprache: Mätschli, Füdlipass und Bänkliwärmer
Vom Österreichischen nicht weit entfernt ist die Schweizer Fußballsprache. Der gemeinsame Nenner sind die Ausdrücke aus dem Englischen: Corner, Goalie, Kickoff, Offside, Out, Penalty etc. Der Braunschweiger Gymnasiallehrer Konrad Koch ist mit seinen Eindeutschungen auch in der Eidgenossenschaft wirkungslos geblieben. (c) jorono, pixabay Genauer betrachtet gibt es in der Deutschschweiz mehr englische Ausdrücke als in Österreich. Sogar das klassische Wort für Fußball spielen ko

Robert Sedlaczek
17. Juni2 Min. Lesezeit


Der Dialektausdruck "die Höschn" ist Wiener Fußballersprache - und nicht nur das.
Sogar der Baden-Württemberger Ralf Rangnick, Österreichs Nationaltrainer, wird den Ausdruck inzwischen kennen: die Höschn. Er ist schon längst bei uns sprachlich angekommen, "leiwand ist ein schönes Wort" sagte er einmal zum "Kurier". Gemeint ist mit die Höschn, standardsprachlich auch die Hösche, ein klassisches Übungsspiel, es wird oft auch zum Aufwärmen verwendet. Fünf oder mehr Spieler bilden einen Kreis, ein Spieler steht in der Mitte, manchmal sind es auch zwei. Die Spi

Robert Sedlaczek
10. Juni3 Min. Lesezeit


Wir sagen Corner, ihr sagt Ecke, wir sagen Kapitänsschleife, ihr sagt Binde.
Die Fußballersprache Deutschlands ist anders gestrickt als die österreichische. In Österreich heißt es Corner, Out, Hands etc., in Deutschland Ecke, Ball im Aus, Handspiel etc. Es wird also bei unserem großen Nachbarn viel stärker eingedeutscht, während wir das englische Original zumindest als Zweitausdruck beibehalten haben. Warum? Der Grund ist in der Anfangsphase des Fußballsports zu suchen. Im Jahr 1903 veröffentlichte Konrad Koch, ein Lehrer aus Braunschweig, der sich um

Robert Sedlaczek
3. Juni2 Min. Lesezeit
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