Ist "in keinster Weise" richtiges und gutes Deutsch?
- Robert Sedlaczek

- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Die Phrase ist oft zu hören - und sie bringt manche Menschen auf die Palme. Damit soll eine kategorische Ablehnung zum Ausdruck gebracht werden. Aber darf man das sagen? Darf man es schreiben? Wie in Fragen dieser Art geht es um sprachliche Konventionen, nicht um das, was im Rechtschreib-Duden und in den Grammatiken steht, die angeblich normgebend sind.
Beim Wort kein, auch bei keine/keiner/keines, handelt es sich um ein sogenanntes Absolutadjektiv. So werden Eigenschaftswörter genannt, die sich im Vergleich zu normalen Adjektiven nicht steigern lassen. Das Wort kein bedeutet, dass du etwas nicht hast, bzw. dass du von etwas nichts hast. "Es gibt kein Bier auf Hawaii..."

Da du nicht mehr als nichts haben kannst, ist der Ausdruck in keinster Weise aus grammatikalischer Sicht falsch. Genauso die einzigste Möglichkeit. Mit einzig wird etwas Singuläres ausgedrückt, die Logik sagt, dass dieses Wort nicht gesteigert werden kann.
Allerdings hat schon Johann Wolfgang von Goethe in "Faust 2" geschrieben: "Durchgrüble nicht das einzigste Geschick / Dasein ist Pflicht, und wärs ein Augenblick."
In einem Brief an Auguste Gräfin zu Stolberg, heute hätte er vielleich ein SMS, WhatsApp oder Mail geschickt, verabschiedete sich Goethe mit den Worten: "Gute Nacht Engel - einzigstes, einzigstes Mädchen, und ich kenne viele."
Hier bedeutet das Wort nicht "nur einmal vorhanden", es wird offensichtlich in einer übertragen Bedeutung verwendet, deshalb ist eine Steigerung möglich. Wir sagen auch zur vollsten Zufriedenheit, in tiefster Trauer etc., und machen uns keine Gedanken, ob voll und tief steigerbar sind oder nicht.
Fazit zur Verwendung von in keinster Weise:
o In mündlicher Form ist die Phrase weit verbreitet, sie wird nicht kleinzukriegen sein, auch wenn sich viele dagegen sträuben.
o Dasselbe gilt für Mails, Postings etc.
o In anspruchsvollen Texten sollte in keinster Weise vermieden werden.
o Schriftsteller dürfen alles.
Aber: Sind wir alle nicht insgeheim begnadete Schriftsteller?



Die KI belehrt mich, dass man im Fall der Steigerung eines absoluten Adjektivs von einem "Hyperlativ" spricht. Nicht zu verwechseln mit dem Elativ. Wieder etwas gelernt.