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Paywall, Adblocker, Clickbaiting: Wer hat's erfunden?

Diese drei Wörter stehen im Scheinwerferlicht, wenn es um das Publizieren im Netz geht. Gehen wir die Sache der Reihe nach an. Der Ausdruck Paywall geht auf den britischen Physiker und Informatiker Timothy Berners-Lee zurück, er entwickelte 1989 die Hypertext Markup Language (HTML), mit der die im Internet verbundenen Computer Daten austauschen können, und begründete damit das World Wide Web. Unter Paywall versteht man eine Barriere auf einer Internetseite: Inhalte werden erst dann sichtbar, wenn der User eine Gebühr entrichtet oder ein Abo abschließt. Die erste Zeitung, die auf diese Weise ihre publizistische Tätigkeit monetarisiert hat, war 1996 das Wallstreet Journal. Neuerdings stellen Medien ihre Leser vor die Wahl, entweder den Adblocker abzuschalten oder ein Abo abzuschließen.


Diese Adblocker verhindern, dass eine Zeitung oder ein Magazin im Internet Erlöse über Inserate erwirtschaftet. Einer der ersten bedeutenden Adblocker wurde von dem in Deutschland zu Ruhm gelangten Programmierer Wladimir Palant erfunden, der gebürtige Leningrader entwickelte die ursprüngliche Version eines Kopenhagener Studenten weiter.


Clickbaiting ist eine Methode, wie Nutzer verleitet werden sollen, eine Meldung anzuklicken. Oft sind dies Überschriften, die neugierig machen, aber den Inhalt, der anschließend erscheint, nicht rechtfertigen. Der Leser wird also hereingelegt, man könnte auch sagen: betrogen.   

 

Gibt es geignete Ausdrücke im Deutschen?


Eine wörtliche Übersetzung für Paywall wäre Bezahlmauer oder Bezahlwand, aber das sagt niemand, im deutschen Sprachraum hat sich die Bezahlschranke eingebürgert, in Österreich wäre der Bezahlschranken zu erwarten.


Statt Adblocker kann man im Deutschen Werbeblocker sagen, der erste Wortbestandteil steht für advertisement, Werbung soll unterbunden werden. Der Ausdruck Werbeblocker ist wesentlich anschaulicher als Adblocker.


Die wörtliche Übersetzung für Clickbaiting lautete Klickköder. Wer eine gute Beute wittert, ist schnell am Haken - der Fisch nur ein einziges Mal; wie oft sich Menschen hereinlegen lassen, bis sie derartige Seiten meiden, ist noch nicht erhoben worden. Das Ergebnis wäre vermutlich peinlich. Die Öffentlichkeit hat eine unersättliche Neugier, alles zu wissen, nur nicht das Wissenswerte, schrieb Oscar Wilde.



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1 Comment


Guest
Jan 27

@: Die wörtliche Übersetzung für Clickbaiting lautete Klickköder. 


Nein - ein "Klickköder" hieße "clickbait".

"Clickbaiting" ist ein Präsenspartizip - die korrekte Übersetzung wäre so etwas wie: "mittels Klickköder anlocken".


E.W.

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