top of page

"Die Österreicher sind Säufer, geistig dement und widerwärtig zu Frauen"

  • Autorenbild: Robert Sedlaczek
    Robert Sedlaczek
  • vor 16 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Es ist immer problematisch einer Nation bestimmte negative Charaktereigenschaften zuzuschreiben. in meinem Buch "Sprachwitze" habe ich mich mit diesem Thema auseinandergesetzt, denn es gibt eine große Zahl von ethnophaulistischen Witzen - diesen Umstand zu leugnen, wäre Realitätsverweigerung, sie zu analysieren, ist notwendig.


Hier ein Beispiel für Ethnophaulismus gegenüber Polen:


Ein Österreicher wechselt am Pannenstreifen der Autobahn einen Reifen. Hält ein Pole an und sagt zu ihm: "Okay, du nimmst dir die Reifen, ich das Autoradio."


Es wird also unterstellt: Alle Polen sind Diebe.


In einem kleinen Büchlein, das nicht nur in Buchhandlungen, sondern auch in Museen zum Kauf aufliegt, findet man eine krasse diskriminierende Aussage über die Österreicher. Es heißt "Wörterbuch Österreichisch-Deutsch", ist im Residenz-Verlag erschienen, und die Autorin Astrid Wintersberger meint im Vorwort, dass ein solches Wörterbuch "auch ein Psychogramm" sei.


Denn die Seele eines Landes offenbart sich ja nicht zuletzt darin, wofür man Worte findet und worüber man sie verliert. Hier zeichnen sich drei entscheidende Themenkreise ab, die den Österreicher scheinbar mehr bewegen als alles andere: die unterschiedlichsten Grade der Alkoholisierung, die diversen Formen geistiger Demenz und die vielfältigen Aspekte weiblicher Widerwärtigkeit. Tu felix Austria.



Das alles in einem Büchlein über das österreichische Deutsch, über die österreichische Hochsprache, nicht über den Dialekt. Es sollte eigentlich gezeigt werden, wie wir uns im Standard von den Deutschen unterscheiden: Wir sagen Schrank, ihr sagt Kasten, wir sagen Topfen, ihr sagt Quark usw.


In der von Astrid Wintersberger zusammengestellten Sammlung finden sich aber auch zahlreiche Dialektausdrücke, die sicherlich nicht der Hochsprache zuzuordnen sind. hochgschissn, Scheanglprotesn, wischerln etc. Viele Wörter kenne ich, sie sind auch in meinem "Großen Wörterbuch des Wienerischen" enthalten, manche Wörter höre ich zum ersten Mal. So bezeichnen wir angeblich eine Fußpflegerin als Zechnkas-Stierlerin!


Das alles sind Beispiele aus einer erweiterten Auflage 2024, die Erstauflage erschien 1995 mit finanzieller Unterstützung der österreichischen Bundesregierung - Österreich war damals Sonderthema bei der Frankfurter Buchmesse. Im Impressum der aktuellen Auflage findet sich der Hinweis: "Die Erstausgabe erschien unter beratender Mitarbeit von H. C. Artmann".


Ich habe seinerzeit mit dem berühmten Dichter über dieses Büchlein gesprochen. Er sagte, dass er darum gebeten worden sei, seinen Namen zur Verfügung zu stellen - was er inzwischen bereue. An der Zusammenstellung und Textierung habe er nicht mitgewirkt.


Universitätsprofessor Stefan Dollinger, Autor des Buches "Österreichisches Deutsch. Eine 300-jährige Liebesgeschichte", hat sich über das zigarettenschachtelgroße Machwerk so geärgert, dass er Museen aufforderte, das Büchlein aus dem Sortiment zu nehmen. In einem Fall war er bereits erfolgreich. Ich hoffe, dass weitere Museen, wo sich viele Touristen einfinden, diesem Beispiel folgen. Hoffentlich auch der eine oder andere Buchhändler.


 
 
 

1 Kommentar


Prof. Stefan
vor 5 Stunden

Viribus unitis, sehr geehrter Herr Kollege Sedlaczek. Besten Dank!

Viel Dank muss auch gehen an Kollegen Rudolf de Cillia, dem dieses Faktum mit dem Vorwort erst einmal (schon vor Langem) aufgefallen ist. Nur ein Detail: Ich habe nur ums "Dazustellen" des "neichn Biachls" gebeten, nicht ums aus dem Sortiment nehmen des alten. Aber es gehörte schon gehörig überarbeitet, das alte, auch in der neuen Auflage. Kollegin Wintersberger -- Sie schaffen das! Für eine brauchbarere 3. Auflage!

Bearbeitet
Gefällt mir
bottom of page