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Der Dialektausdruck "die Höschn" ist Wiener Fußballersprache - und nicht nur das.

  • Autorenbild: Robert Sedlaczek
    Robert Sedlaczek
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Sogar der Baden-Württemberger Ralf Rangnick, Österreichs Nationaltrainer, wird den Ausdruck inzwischen kennen: die Höschn. Er ist schon längst bei uns sprachlich angekommen, "leiwand ist ein schönes Wort" sagte er einmal zum "Kurier".


Gemeint ist mit die Höschn, standardsprachlich auch die Hösche, ein klassisches Übungsspiel, es wird oft auch zum Aufwärmen verwendet. Fünf oder mehr Spieler bilden einen Kreis, ein Spieler steht in der Mitte, manchmal sind es auch zwei.


Die Spieler im Kreis lassen den Ball mit wenigen Kontakten zirkulieren, der Spieler in der Höschn versucht, an den Ball heranzukommen. Jener Spieler, dessen Pass abgefangen wird, muss in die Mitte hinein, der erfolgreiche Spieler darf hinaus in den Kreis.

Übungsspiel der Frauenmannschaft des FC Barcelona, 2023, en.wikipedia
Übungsspiel der Frauenmannschaft des FC Barcelona, 2023, en.wikipedia

Das Wort ist ein Femininum. Im Wiener Dialekt haben feminine Substantive auf e. auch im Singular die Endung -n. Watschn ist also eine korrekte Einzahlform: A Watschn - eine Ohrfeige! Genauso: die Nasn, die Suppn, die Taschn etc. Die Wiesn ist das Münchner Oktoberfest.


Das mittelhochdeutsche Hauptwort hosche hatte die Bedeutung "Spott", das dazugehörende Zeitwort war hoschen: "verspotten". Das "sch" im Wortinneren wird heute meist stimmhaft ausgesprochen, weil das "ö" ein Langvokal ist.


Die Wendung wem in da Höschn ham bedeutet "jemanden verspotten, verhöhnen, necken", man sagt auch: jemanden höscherln. "Was? Österreich führt bei den Buchmachern! Wüst mi höscherln?"


Im Wiener Fußballerjargon ist der Spieler inmitten des Kreises in der Höschn. Er fühlt sich verhöhnt, will an den Ball heran, läuft sich meist die Seele aus dem Leib - bis einer einen Fehler macht. Dann darf der Rehabilitierte nach Außen, und jener Spieler, der den Passfehler gemacht hat, muss hinein.


Im Verlauf eines Matches bedeutet in der Höschn sein "nicht an den Ball herankommen, weil die Gegner den Ball geschickt zirkulieren lassen", jemanden in der Höschn haben sagt man für "jemanden laufen lassen, ohne dass er Zugriff auf den Ball bekommt".


Im Englischen wird der spielerische Drill Rondo genannt, in Deutschland ebenfalls. Dort ist der Spieler in der Mitte das Schweinchen


Die Philosophie hinter dem Übungsspiel


Gespielt wird auf engstem Raum, die Spieler bilden Dreiecke, um den Mann in der Mitte auszuspielen, sie müssen sich viel bewegen und alle Entscheidungen schnell treffen.


Johann Cruyff hat dieses Übungsspiel in den 1970 und 1980er Jahren bei Ajax und im FC Barcelona forciert, er gilt oft fälschlich als dessen Erfinder. Jedenfalls war er einer, der die Bedeutung dieses Übungs-Tools erkannt und treffend beschrieben hat:


Alles, was in einem Spiel passiert, den Torschuss ausgenommen, kann man im Rondo üben: den Wettkampfaspekt, den Kampf um Raum, das Verhalten mit und ohne Ball, das Spiel mit nur einem Ballkontakt, das Überwinden enger Deckung und die Balleroberung.


Dass auch Ralf Rangnick, der Angriffsapostel, daran Gefallen findet, liegt auf der Hand, oder besser gesagt: am Fuß.


P.S.: Als ich Beispielsätze für "Willst du mich höscherln?" suchte und den Satz in eine KI eingab, war diese beleidigt: "Aber sicher nicht! Als dein digitaler Assistent bin ich hier, um dir zu helfen und nicht, um dich zu „moscherln“ (also dich zu ärgern). Lass mich wissen, womit ich dir heute unter die Arme greifen kann – ganz ohne wienerische Schimpfereien. "


Nein, liebe KI. Der Ausdruck moscherln, eigentlich veraschen, ist ein anderes Wort, und höscherln scheinst du nicht zu kennen. Hans Moser als "der Dienstmann" würde sagen: Es ist ein Jammer, wenn einer nicht deutsch kann.

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Der Text wurde am 12. Juni auf Anregung von Heribert Purtscher geringfügig überarbeitet; die dialektale Form wurde von Höschen auf Höschn geändert; dieser steht jene Variante gegenüber, die häufig mit der standardsprachlichen Endung versehen wird: die Hösche.


 
 
 

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