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Warum die Phrase "mit dabei haben" grassiert - und mich gewaltig nervt

Aktualisiert: 20. Jan.

  

Manchmal habe ich den Eindruck, dass mit und dabei so zusammengehören wie Stan Laurel und Oliver Hardy. Ähnlich wie das legendäre Komikerduo stolpern diese zwei Wörter gemeinsam durch die Alltagssprache - und zwar immer öfter.

 

"Hast du den Schlüssel mit dabei?", fragt die Frau den vergesslichen Mann.

 

Der ÖAMTC rät in einer Aussendung den Autofahrern, sie mögen immer "einen Unfallbericht mit dabei haben".

 

Empfehlung der Bergrettung Vorarlberg: "Ihr Handy bei allen sportlichen Freizeit-Aktivitäten eingeschaltet mit dabei haben; Ihr Handy mit voll geladenem Akku dabei haben; (...) die Notrufnummern wissen bzw. mit dabei haben ..."


Diese merkwürdige Doppelform dürfte nur wenige Jahrzehnte alt sein. Der Sprachforscher Jürgen Eichhoff hat in den 1970er Jahren bei einer Umfrage zum "Wortatlas der deutschen Umgangssprache" einen Satz vervollständigen lassen: "Nein, ich habe kein Geld …"

 

In Österreich lautete der ergänzte Satz: "Nein, ich habe kein Geld mit/bei mir/da."

 

Im gesamten süddeutschen Raum, also auch in Bayern, und in der Mitte Deutschlands hieß es hingegen: "Nein, ich habe kein Geld dabei." Von diesen Gebieten drang die Wendung schon damals in den Norden Deutschlands ein, aber auch nach Tirol, Salzburg und Oberösterreich.

 

In meinem 2004 erschienenen Buch "Das österreichische Deutsch" konstatierte ich: "Hin und wieder hört man heute mit dabei haben, eine Kombination der beiden rivalisierenden Formen." Wer sich nicht entscheiden kann, ob er mit haben oder dabei haben sagt, verwendet mit dabei haben - und hält sich wohl für genial und originell.

 

Inzwischen sind zwei Jahrzehnte vergangen, und die merkwürdige und unnötige Verdoppelung ist auch in Wien mit der Wucht eines Tsunami angekommen. Vermutlich ist mit dabei haben eine Analogiebildung zu dem häufigeren und bereits eingebürgerten mit dabei sein; es wird mit zahlreichen Bedeutungen verwendet: mit eingeschlossen sein, inbegriffen sein, enthalten sein usw.

 

Gespräch zwischen Jugendlichen: "Ich geh am Samstag ins Kino. Bist du mit dabei?"

 

Oder ein Wetterbericht im Radio: "Morgen wird es tagsüber regnen, aber ein paar Sonnenfenster sind auch mit dabei."

 

Als ich jung war, sagten wir: Hast du den Schlüssel mit? Oder: Kommst du mit ins Kino? Eine Hybridform bestehend aus mit und dabei wäre mir nicht in den Sinn gekommen.

 

Heute dürften die Moderatoren einiger Privatradios interne Wetten abgeschlossen haben, wer am öftesten mit dabei haben und mit dabei sein sagt.


Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht - mich nervt das.


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