Woran zu erkennen ist, dass ein Beitrag von einer KI generiert wurde.
- Robert Sedlaczek

- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Tag
Neulich habe ich einen Blog veröffentlicht, mit dem Titel "Wenn Wörter in den Schützengraben ziehen" Er war von einer Künstlichen Intelligenz verfasst und ist hier nachzulesen. Es ging mir darum zu zeigen, wie gut oder wie schlecht diese Programme funktionieren. Auch die Überschrift "Wenn Wörter in den Schützengraben ziehen" war nicht von mir, sondern von der KI.

Woran erkenne ich, dass ein Text von einer Künstlichen Intelligenz erstellt wurde? Im Internet gibt es zahlreiche Webseiten, die sogenannte KI-Detektoren anbieten. Ich wähle eine aus und kopiere die ersten zwei Absätze von "Wenn Wörter in den Schützengraben ziehen" hinein.
Wenige Sekunden später bekomme ich die Auskunft, dass es sich "zu 65 Prozent" um einen KI-generierten Text handelt. Der Text war aber zu hundert Prozent KI-generiert! Ein anderes Programm trifft schon fast die Wahrheit: Es sagt, der Text ist "zu 95 Prozent" KI-generiert.
Lehrer, die Hausarbeiten ihrer Schüler beurteilen, werden mit einigen Testläufen ein passendes Programm finden, genauso leitende Redakteure, die Beiträge von angestellten oder freien Journalisten überprüfen wollen. Manche Programme haben sogar einen Plagiat-Checker. Vielleicht wird der unsägliche Plagiatsjäger Stefan Weber eines Tages arbeitslos sein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in den Parteisekretariaten bekannt wird, dass man die Texte der politischen Gegner selbst untersuchen kann. Es genügt dann, wenn Stefan Weber das Erforschte in einer Aussendung publiziert.
Allerdings gibt es auch Tools, die dazu dienen, KI-generierten Texten ein menschliches Aussehen zu verleihen, sogenannte "Humanizer". Dort werden unter Beibehaltung des Inhalts Änderungen vorgenommen, damit der Eindruck entsteht, der Text stamme aus Menschenhand.
"Verwandeln Sie mit unserem Tool KI-Texte in flüssiges, natürlich klingendes Schreiben", lautet eines der Werbeversprechen. Meist wird man auch gefragt, wie stark eingegriffen werden soll:
o Light (keep origonal tone and structure
o Balanced (natural and homan rewrite)
o Strong (significant rewrite)
Außerdem kann man stilistische Vorgaben machen:
o Academic
o Formal & professional
o Neutral & clear
o Natural & conversational
Da ist dann allerdings nichts mehr gratis, die geänderten Texte werden per Mail zugesandt und man muss ein Abo abschließen. Wie ein AI-Detektor mit humanisierten Texten umgeht, wäre zu testen.
Ich habe eine andere Idee, will die Künstliche Intelligenz mit ihren eigenen Waffen schlagen. Ich frage Bing, die KI von Microsoft: "Woran erkenne ich KI-generierte Texte?"
Da sich im Internet bereits viele kluge Köpfe mit dieser Frage auseinandergesetzt haben, kann Bing aus dem Vollen schöpfen. Wie immer enthält jeder Absatz nur ein Thema, und die Absätze sind durchnummeriert.
1. Stilistische Gleichförmigkeit: KI-Texte weisen oft einen monotonen Schreibstil auf, der sich durch gleichmäßige Satzstrukturen und häufige Wiederholungen von Wörtern und Phrasen auszeichnet.
2. Unnatürliche Satzkonstruktionen: Achten Sie auf unnatürliche Formulierungen oder Satzlängen. KI-generierte Texte neigen dazu, kurze Sätze zu verwenden, die nicht die natürliche Variation menschlichen Schreibens aufweisen.
3. Fehlende emotionale Tiefe: KI-Texte können oft eine fehlende menschliche Perspektive oder Emotionen aufweisen. Sie wirken manchmal generisch und ohne klare Positionierung.
4. Unpräzise Verwendung von Fachbegriffen: KIs verwenden Fachbegriffe häufig korrekt, aber nicht immer im richtigen Kontext, was von fachlich geschulten Lesern erkannt werden kann.
5. Rechtschreib- und Grammatikfehler: Besonders bei Texten, die nicht auf Englisch verfasst wurden, können grammatikalische Ungenauigkeiten auftreten.
Bei jedem einzelnen Absatz führt eine Fußnote zu Webseiten, aus denen die Hinweise entnommen wurden. Dann werden Tools zur Erkennung von KI-Texten aufgelistet, natürlich primär Produkte von ChatGPT, ein Partner von Microsoft.
Der KI-generierte Text "Wenn Worte in den Schützengraben ziehen" lässt sich anhand dieser Tipps recht gut entlarven. Er ist stilistisch gleichförmig und monoton. Die gewählten Beispiele für Kriegsmetaphorik sind läppisch oder die Metaphern stimmen nicht. Wer sagt, dass "Politiker Parolen abfeuern"? Ausdrücke, die ich erwartet hätte, und die mir echt auf den Geist gehen, kommen nicht vor: "aus der Hüfte schießen", "an vorderster Front kämpfen", "die Abteilung auf Vordermann bringen", "die Stellung halten", "jemanden aus der Schusslinie nehmen" etc.
Manche KI-generierte Sätze sind wenig sinnvoll: "Wer im Büro den falschen Kaffee bestellt, gerät schnell ins 'Kreuzfeuer'." Oder: "Das Absurde, wir führen diese 'Schlachten' meist im Sitzen, bewaffnet mit Kugelschreibern und PowerPoint." Wie viele Menschen kämpfen im Büro gegeneinander mit Kugelschreibern und mit dem Microsoft-Programm PowerPoint als Waffe? In diesem Fall war die Künstliche Intelligenz von dem Gedanken beseelt, dass die Wortbestandteile "Kugel" und "Power" gut ins Bild passen.
Auch Fallfehler treten auf: "Niemand kommt ernsthaft zu Schaden - außer vielleicht der guten alten Friedensmetapher, die irgendwo im Keller verstaubt."
In der wenig sinnvollen Schlusspointe wird das Wort "kämpfen" als Kriegsmetapher unter Anführungseichen gesetzt und ein merkwürdiger Vergleich zu einer Busfahrt gezogen: "Bis dahin bleibt uns nur, weiter zu 'kämpfen', um Worte, um Deutungen, und manchmal auch um den letzten Platz im Bus." Emotional seichter geht es wohl nicht.



Kommentare