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Latein ist kein Luxus, sondern Bildung - was gegen die geplante Kürzung spricht

  • Autorenbild: Robert Sedlaczek
    Robert Sedlaczek
  • 4. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Wieder einmal geht es dem Lateinunterricht an den Kragen. Er soll gekürzt werden, zugunsten von Informatik und Künstlicher Intelligenz.

 

Ich bin dagegen. Genauso bin ich dagegen, dass man gleichzeitig die zweite Fremdsprache kürzt. Das würde einen eigenen Blogbeitrag rechtfertigen.


Latein ist nicht nur für Ärzte und Pharmazeuten wichtig, nicht nur für Rechtsanwälte, Richter und Theologen, sondern auch für all jene, die Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch oder Rumänisch lernen wollen. Wortschatz und Grammatik sind ähnlich. 


Latein ist außerdem die Wurzel unserer Kultur und Denkweise, in gewisser Weise ein Gegenpol zur US-amerikanischen Kultur, die uns heute überschwemmt.


Statue Julius Cäsars, mit einem Buch in lateinischer Sprache im Hintergrund canva.com
Statue Julius Cäsars, mit einem Buch in lateinischer Sprache im Hintergrund canva.com

Die Beschäftigung mit Latein trägt außerdem dazu bei, die Funktionsweise von Sprachen insgesamt besser zu verstehen.


Latein ist eine alte Sprache mit voll ausgebildeten Endungen. Die Satzstellung ist deshalb nicht so wichtig. Die Wörter können nahezu beliebig positioniert werden. Ich habe den Lateinunterricht genossen, das Übersetzen war wie das Lösen eines Kreuzworträtsel: Was gehört zusammen?


Im Deutschen sind viele Endungen im Laufe der Zeit abgefallen. Die Satzstellung gewinnt dadurch an Gewicht. In der als Beispiel gern zitierten Überschrift Hund beißt Mann ist Hund aufgrund der Satzstellung das Subjekt, Mann das Objekt; bei Mann beißt Hund ist ebenfalls das erste Wort das Subjekt, die Bedeutung ist umgekehrt. 


Nur wenn wir Artikel verwenden, ist die Position im Satz unerheblich: Der Hund beißt den Mann. Oder: Den Mann beißt der Hund. In der Sprache Latein sorgten die Endungen für Klarheit: Canis hominem mordet und Vir canem mordet.


Latein zwingt dazu, genau zu analysieren, logisch zu denken und präzise zu formulieren. Diese Fähigkeiten sind in vielen Berufen gefragt.


Das Deutsche ist gespickt mit Entlehnungen aus dem Lateinischen. Der genaue Prozentsatz im Wortschatz ist meines Wissens nicht genau erhoben worden, aber die Wortliste auf Wikipedia mit den Entlehnungen aus dem Lateinischen ist beeindruckend. Hinzu kommen noch die zahllosen Entlehnungen aus den romanischen Folgesprachen.


Was mich besonders ärgert: Der Unterrichtsminister versucht Latein gegen die Informatik und gegen die Künstliche Intelligenz auszuspielen. Wir brauchen beides.


Die geplante Reform mit einer Meinungsbefragung unter Eltern und Schüler zu untermauern, ist gelinde gesagt Chuzpe. Gut dass sich viele Prominente binnen Stunden entschlossen haben, die an Bundesminister Wiederkehr gerichtete Petition "Latein ist kein Luxus - es ist Bildung" zu unterzeichnen, darunter die Nobelpreisträger Elfriede Jelinek, Peter Handke und Anton Zeilinger, ferner Schauspieler wie Maria Bill, Philipp Hochmair und Cornelius Obonya, Schriftsteller wie Robert Menasse und Michael Köhlmeier, Liedermacher wie Ernst Molden und Altpolitiker wie Heinz Fischer und Franz Vranitzky. Bitte hier für Latein unterzeichnen und hier für die zweite Fremdsprache! Jede Unterschrift zählt!


 



 
 
 

2 Kommentare


Erich Wallner
04. Feb.

Hatte selber 6 Jahre Latein im Gymnasium.

Nach den ersten beiden Jahren Grammatik ging es an mit dem bellum gallicum.

Geblieben ist mir bis heute ein erweiterter Wortschatz im Deutschen und Hilfe in Englisch / Französisch.

 

Komplett vergessen habe ich die Inhalte der Texte, die wir in den Klassen der Oberstufe übersetzt haben. Mir ist auch nicht erinnerlich, dass wir diese Inhalte besonders behandelt hätten. Vielleicht ist das heutzutage anders, aber damals (1968-1972) war das nicht Stand der Technik im Lateinunterricht. Also nix mit antiker Kultur aus erster Hand für mich.

 

Sehr wohl erinnern kann ich mich aber noch, wer damals in meiner Klasse bei den Schularbeiten von wem abgeschrieben hat. Es wundert mich daher, dass Latein als…

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Robert Sedlaczek
05. Feb.
Antwort an

Köstlich. Daran habe ich nicht gedacht. Und nicht nur übersetzen, sondern auch die Hintergründe der Texte vermitteln, wäre in der Tat wünschenswert. Bei uns wurde soziale Kompetenz im Fach Mathematik unterrichtet. Bei der Matura ging der Klassenbeste recht früh auf die Toilette und schrieb die Ansätze auf eine Klopapier-Rolle. Plötzlich mussten alle aufs Klo ...

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