top of page

Warum sagen wir alter Schwede, 08/15 und Schema F?


Bei manchen Redewendungen ist sofort erkennbar, dass sie einen kriegerischen Hintergrund haben: etwas schlägt wie eine Bombe ein, eine Bombe platzen lassen, mit Bomben und Granaten durchfallen usw. Lutz Röhrich weist in seinem "Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten" darauf hin, dass einige Zusammensetzungen mit Bombe- im 19. Jahrhundert in der Schauspielersprache ihren Ursprung hatten: Bombenrolle, Bombenerfolg, Bombengedächtnis und von dort in die Standardsprache gelangt sind.


Bei anderen Wörtern und Wendungen ist die militärische Herkunft nicht mehr ganz so offensichtlich. Nachfolgend einige Beispiele:


o Die Wendung ein alter Schwede sein (= ein Schlaumeier, ein gerissener Kerl sein) stammt aus dem Dreißigjährigen Krieg. Als schwedische Veteranen nicht zurück nach Schweden gingen, sondern Ausbilder der preußischen Armee wurden, genossen sie als Unteroffiziere ein hohes Ansehen. Heute wird die Floskel auch als freundschaftlich-anerkennende Anrede verwendet - na, wie geht’s, alter Schwede? - oder als Ausdruck der Überraschung: alter Schwede, das hat mir grad noch gefehlt!


o Das Kürzel 08/15 für etwas Durchschnittliches oder Standardisiertes entstand im Ersten Weltkrieg. Es bezieht sich auf ein Maschinengewehr, das Grundmodell kam im Jahr 1908 heraus, verbesserte Versionen wurden mit dem Einführungsjahr versehen, jene aus dem Jahr 1915 trug die Bezeichnung MG 08/15. Da dieses Maschinengewehr gegen Ende des Ersten Weltkriegs oft fehlerhaft war, kam es zu einer abwertenden Bedeutung: nichts Besonderes, Massenware. Nach einer anderen Erklärung geht die Wendung darauf zurück, dass die Soldaten mit dem MG 08/15 täglich ein langwieriges und eintöniges Training zu absolvieren hatten.


o Den Schulterschluss suchen oder Schulter an Schulter stehen bedeutete ursprünglich nur: an der Front dicht nebeneinander stehen, gemeinsam kämpfen, den Angriffen standhalten. Heute wird dieses Wendung vor allem im übertragenen Sinn gebraucht.


o Auf verlorenem Posten kämpfen/stehen bedeutet einen vergeblichen, aussichtslosen Kampf führen, keine Aussicht auf Erfolg haben. Posto fassen ist ein militärischer Ausdruck für: sich aufstellen; er ist im 17. Jahrhundert aus dem Italienischen entlehnt worden. Gemeint ist also eine militärische Stellung, nicht ein Wachposten.


o Die Flinte ins Korn werfen stammt aus einer Zeit, als die Soldaten noch mit Vorderladern mit Feuersteinschlössern (= Flintschlössern) ausgerüstet waren. Da es sich meist um angeworbene Söldner handelte, kämpfen sie nur ums Geld und nicht für eine Überzeugung. Sie waren wenig geneigt, bis zum bitteren Ende ihr Leben aufs Spiel zu setzen.


o Das Wort einwaggonieren bedeutet: jemanden zur Abfahrt in den Zug stecken, für eine Bahnfahrt abfertigen; der Ausdruck stammt aus dem Ersten Weltkrieg und war auf Truppentransporte bezogen. Heute kann man sagen: "Wir haben die Omi einwaggoniert – sie fährt mit dem Zug zur Kur."


o Etwas nach Schema F erledigen, also routinemäßig erledigen, geht auf die im preußischen Heer mit einem F gekennzeichneten Frontrapporte zurück, die nach einem bestimmten Muster aufzusetzen waren.


o Auf Tuchfühlung gehen spielt auf das Berühren mit den Ärmeln der im Glied stehenden Truppe an. Die Soldaten standen "Tuch an Tuch". Heute bedeutet die Wendung: sich einer Person oder einer Sache bis auf einen minimalen Abstand nähern.


o Bei der Wendung etwas oder jemanden nicht am Schirm haben ist der Radarschirm gemeint. Neuerdings heißt es auch unter dem Radar sein: nicht wahrgenommen werden, übersehen worden sein.


Die deutsche Sprache ist übrigens nicht besonders stark militärisch geprägt, Befunde aus dem Englischen oder Französischen gibt es in ähnlichen Größenordnungen.


0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Diese drei Wörter stehen im Scheinwerferlicht, wenn es um das Publizieren im Netz geht. Gehen wir die Sache der Reihe nach an. Der Ausdruck Paywall geht auf den britischen Physiker und Informatiker Ti

bottom of page