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Warum sagen wir "schlafen/schnarchen wie ein Ratz"?

  • Autorenbild: Robert Sedlaczek
    Robert Sedlaczek
  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Das Wort Ratz, eine Variante von Ratte, ist in Österreich, in Süddeutschland und in der Schweiz gebräuchlich. Dort heißt es auch schlafen wie ein Ratz, also tief und fest schlafen, sowie schnarchen wie ein Ratz.


Die Ableitung hat allerdings einen Haken: Ratten, in der westlichen Kultur meist mit negativen Attributen behaftet, halten keinen Winterschlaf. Sie sind außerdem dämmerungs- und nachtaktiv.


Man muss also in alten Wörterbüchern graben: Früher war Ratz auch eine volkstümliche Bezeichnung für andere Nagetiere: für das Murmeltier und für den Siebenschläfer; diese verschlafen den Winter, sie machen es sich in Erdhöhlen gemütlich.


Murmeltiere (Marmota) halten laut Wikipedia einen ausgedehnten Winterschlaf, der zwischen sechs und sieben, aber auch bis zu neun Monate dauern kann.



Murmeltier mit Taschenuhr (c) KMBurke, pixabay.
Murmeltier mit Taschenuhr (c) KMBurke, pixabay.

In den Vereinigten Staaten und Kanada werden alljährlich am 2. Februar, dem Groundhog Day, Murmeltiere aus dem Schlaf gerissen, damit sie die Dauer des Winters vorhersagen. Der Brauch wurde von deutschen Einwanderern eingeführt und basiert auf Mariä Lichtmess. Insgesamt soll es etwa zwei Dutzend Murmeltiere geben, die jährlich befragt werden.


Wenn das Tier „seinen Schatten sieht“, das heißt, wenn die Sonne scheint, soll der Winter noch länger dauern, weitere sechs Wochen: Der Nager kehrt in seine Höhle zurück.


Ist der Tag bewölkt, bleibt er draußen, weil er meint, das Wetter wird gemäßigt sein. Das Tier zeigt in diesem Fall den baldigen Frühling an.


Durch den Kinofilm Und täglich grüßt das Murmeltier wurde der Brauch auch international bekannt.


Der Siebenschläfer (Glis glis) hat seinen Namen angeblich wegen seines sieben Monate dauernden Winterschlafs. Tatsächlich schläft er von Anfang September bis Anfang Mai des nächsten Jahres, also etwas länger.


Die Wortbildung geht zurück auf die Legende von den sieben Schläfern, den Heiligen des 27. Juni. Sie flüchteten während der Christenverfolgungen in eine Höhle, schliefen dort ein und wurden eingemauert. Zweihundert Jahre später wurden sie zufällig entdeckt und erwachten. Erst seit dem 18. Jahrhundert wird Glis glis als Siebenschläfer bezeichnet. Siebenschläfertag ist volkstümlich der 27. Juni, dessen Wetterlage für die folgenden sieben Wochen bestimmend sein soll.

 

"Fest und lange schlafen" wird in manchen Regionen des deutschen Sprachraums auch als ratzen bezeichnet. Wer "allzu lange schläft" ist ein Siebenschläfer. Neben schlafen wie ein Ratz hört man oft auch schlafen wie ein Murmeltier - das entspricht dem Ursprung der Wendung.

 
 
 

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