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Warum wir "jetzt komm ich in Schwulitäten" sagen

Frau Ursula Narath schreibt mir: "Im Wienerlied Wann der ganze Regen lauter Gumpoldskirchner wär kommt das Wort 'Schwulitäten' vor. Denken Sie, dass der Begriff anders denn als Schmähung verstanden werden kann?"


Liebe Frau Narath! Das Wort "Schwulitäten" ist nicht typisch wienerisch, daher ist es in meinem Großen Wörterbuch des Wienerischen nicht zu finden. Der etwas veraltete Ausdruck wird im gesamten deutschen Sprachraum gebraucht. In der Wissenschaft werden solche Ausdrücke mit dem Etikett "gesamtdeutsch" versehen.


Wer "in eine Schwulität gerät" oder "in Schwulitäten kommt", befindet sich in einer peinlichen Lage, in Schwierigkeiten. Auf der Webseite des Duden ist zu lesen: "Das Substantiv Schwulität wurde im 18. Jahrhundert von Studenten scherzhaft zu schwul bzw. schwül in der Bedeutung 'unangenehm, drückend heiß' gebildet. Es bezeichnet eine unangenehme oder peinliche Situation, in der einem körperlich heiß wird. Wortgeschichtlich hat es keine direkte Verbindung zu Homosexualität, da schwul erst seit dem 19. Jahrhundert umgangssprachlich für 'homosexuell' verwendet wird. Nur selten wird Schwulität heute umgangssprachlich abwertend in der Bedeutung Homosexualität gebraucht."


Hinzuzufügen wäre noch, dass "schwul" heutzutage von Homosexuellen als Eigenbezeichnug verwendet wird, den abwertenden Charakter also weitgrehend verloren hat. 


Die Wörter "schwul" und "schwül" haben dieselbe Herkunft. Typisch Wienerisch ist das Substantiv "der Schwül", die Bezeichnung für einen Rausch, der benebelt. In Josef Weinhebers Gedicht Waaßt? Net? Verstehst?, enthalten in der Sammlung Wien wörtlich kommt diese Benebelung zum Vorschein, wenn ein Berauschter sagt: "Wo unseraner do nix wül, / waaßt, als sei n Ruah. / Sogar die Tschecherln, in mein Schwül, / verstehst, i sperrert s’ zua.“


Der Schriftsteller und Journalist Rudolf Stürzer (1865 bis 1926) hat zwischen drei Stadien des Schwüls unterschieden. "... das erste (Stadium) äußert sich in einem freien Bekennermute der Menschheit gegenüber, das zweite in einer sanften Erotik und das dritte in einer kohlhaasischen Rechtsucht …" Die Übergänge sind wohl fließend.

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1 Comment


Guest
Jun 05

Würde die Bezeichnung "schwül" für "feucht-heiß", "ein Gewitter ankündigend" im Artikel deswegen nicht weiter erläutert, weil sie zuwenig wienerischer Dialekt, also "gesamtdeutsch" ist ?

MbG

Werner TILL

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