Was hat das "Trinkgeld" mit "trinken" zu tun? Und wer weiß noch, was ein "Schmattler" ist?
- Robert Sedlaczek
- 9. Juli
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Das Wort Trinkgeld ist heute die Bezeichnung für eine kleine Geldleistung, die dem Servicepersonal meist direkt zugutekommt. Im Deutschen ist das Wort seit dem 14. Jahrhundert in Gebrauch, wie im "Deutschen Wörterbuch" von Jacob und Wilhelm Grimm zu lesen ist. Dort wird der Ursprung des Ausdrucks und sein Bedeutungswandel umfänglich beschrieben.
Früher gab es auch die Varianten Trankgeld, Trunkgeld, außerdem kursierten zeitweise Botengeld bzw. Bade- und Biergeld, was den Schluss zulässt, dass das Geld ursprünglich tatsächlich zum Vertrinken gedacht war. Als trinkguelte ist das Wort sogar ins Französische übernommen worden.
Das Grimm'sche Wörterbuch führt auch übertragene Verwendungen an, und nennt einige Komposita wie Trinkgelderpolitik, das ist eine Politik, die auf die Gewährung kleiner Vorteile ausgerichtet ist, und Trinkgeldhand.
In meinem "Großen Wörterbuch des Wienerischen" habe ich als Synonyme für Trinkgeld die Wörter Maut und Schmattes vermerkt.
Maut stammt aus dem Gotischen, die ursprüngliche Bedeutung war Zollstelle, als Gebühr für die Benützung einer Straße ist der Ausdruck inzwischen im gesamten deutschen Sprachraum in Gebrauch.
Schmattes stammt aus dem Jiddischen; schmate, Pl. schmateß war ein Fetzen, ein Lappen, das Wort geht zurück auf polnisch szmata für Fetzen, auch für Inflationsgeld.
Schmattler ist ein Mensch mit einer ausgeprägten Trinkgeldhand, es soll auch ein Ausdruck für Taxifahrer sein. Wenn ich das Wort höre, denke ich an Totengräber, die am offenen Grab um Trinkgeld heischen: in der rechten Hand ein kleines Schauferl, die linke Hand ist so ausgestreckt, dass sie unauffällig Münzen aufnehmen kann.
Ob hierfür Sozialabgaben zu leisten sind?
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