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Wenn Barthel den Most holt, ist der Sommer zu Ende

Am 24. August ist es wieder so weit - es ist der Tag des heiligen Bartholomäus. Der biblische Apostel soll Anfang des 1. Jahrhunderts in Kana, Galiläa gelebt haben.


Der Bartholomäustag ist ein Gedenktag im evangelischen Kirchenjahr laut evangelischem Gottesdienstbuch und ein Fest im anglikanischen sowie im katholischen liturgischen Jahr. Es wird seit dem 9. Jahrhundert jährlich am 24. August gefeiert und erinnert an die durch Legenden überlieferte Anspülung des Sargs mit den Gebeinen des Märtyrers an der Insel Lipari bei Sizilien, wo man seine sterblichen Überreste auch bestattet haben soll.


„Barthel“ so die eingedeutschte Form von Bartholomäus, gilt den Bauern als traditionelles Ende des Sommers. Laut Wikipedia markiert der Tag das Ende der Getreideernte und den Beginn der Aussaat für das nächste Jahr. Um die Zeit des Bartholomäus-Tages ausgegrabene Wurzeln von Heilpflanzen galten als besonders wirksam. Fischer verbanden mit dem Tag das Ende der Laichzeit und den Auftakt für die neue Fangsaison. Zudem wurden früher häufig Pachtzahlungen am Bartholomäustag fällig.


Aus all dem wird klar, dass es einen Zusammenhang mit der im gesamten deutschen Sprachraum gängigen Redewendung "wissen, wo (der) Barthel den Most holt" geben muss. Wer weiß, wo man zu diesem Zeitpunkt schon Most bekommt, vermutlich aus Äpfeln oder Birnen, nicht aus Weintrauben, der ist ganz besonders schlau, wenn nicht gar gerissen, er kennt alle Schliche und weiß sich immer zu helfen. Die Wendung „wem zeigen, wo (der) Bartl den Most holt bedeutet: jemandem zeigen, wie man etwas richtig macht; jemandem gehörig die Meinung sagen, jemanden zurechtweisen.


Wie Barthel sich verhält, ist der ganze Herbst bestellt


Nach Lutz Röhrich, Autor des großartigen „Lexikons der sprichwörtlichen Redensarten“, ein unumstrittenes Standardwerk, ist schon im 17. Jahrhundert eine ähnliche Redewendung mit einem Bezug zum Bartholomäustag belegt: „Wo man Holz umb Weihnachten, Korn umb Pfingsten und Wein umb Bartholomäi kauft, da wird Schmalhans endlich Küchenmeister“. Außerdem gibt es Bauernregeln, in denen der Namenstag ebenfalls personifiziert wird, statt des Gedenktages des Heiligen steht der Heilige selbst: „Wie Barthel sich verhält, ist der ganze Herbst bestellt“.


Wenig glaubwürdig sind die Ableitungen von einem Schultheiß bzw. einen Weinschenk dieses Namens – es sind wohl Legenden. Höchst unwahrscheinlich ist auch die bei Siegmund A. Wolf im 1956 erschienenen „Wörterbuch des Rotwelschen. Deutsche Gaunersprache“ zu findende Herleitung von rotwelsch barsel = Brecheisen und moos = Geld, also: wissen, wo man mit dem Brecheisen zu Geld kommt; demnach wäre Barsel zurückgehend auf hebräisch barsel = Eisenastange, Einbruchswerkzeug zu Bartel geworden, während sich das grammatikalische Geschlecht des Wortes Moos, zurückgehend auf hebräisch maot = Geld vom Neutrum zum Maskulinum gewandelt hätte.


Die fragwürdige Herleitung taucht immer wieder auf, obwohl Wolf nicht gerade als besonders zuverlässig gilt, er trennt außerdem nicht sauber zwischen dem Hebräischen bzw. Jiddischen und dem Rotwelschen. Aber dennoch schreiben viele von ihm kritiklos ab, dabei gibt es keinen einzigen Beleg, der diese Ableitung aus dem Rotwelschen untermauern würde. Es wurde bisher kein Zitat für eine Wendung „Wissen, wo der Barsel das Moos holt“ gefunden.


Solange dies nicht geschieht, glaube ich an die Ableitung vom heiligen Bartholomäus. Aber ich lasse mich vom Gegenteil überzeugen, wenn ein Beleg der Wendung aus der Gaunersprache auftauchen sollte.


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