Wie der Hund, der Tiger, das Wiesel, der Vogel zu Verben in unserem Wortschatz wurden

Zeitwörter, die ein menschliches Verhalten umschreiben und aus der Tierwelt stammen, sind besonders anschaulich. Lassen wir einige Revue passieren!
Das zweithäufigste Haustier nach der Katze ist der Hund. Manche Hunde schwimmen gern, ihre typischen Schwimmbewegungen werden als hundeln bezeichnet. Auch Kinder, die erstmals Bekanntschaft mit einem stehenden oder fließenden Wasser machen, bedienen sich dieser Technik: Sie hundeln. Es ist eine Art Paddelbewegung, man sagt auch: ein Traben unter Wasser. Eine zweite Bedeutung von hundeln ist "nach nassem Fell" riechen. Das ist den Hunden vorbehalten.

Der Tiger hat den Ruf, im Käfig ruhelos im Kreis zu gehen, in freier Wildbahn jagt er zielstrebig seiner Beute nach. "Tigern Sie zum Löwen!" hieß der Slogan einer Brillen-Kette.
Weniger mächtig ist das Wiesel. Aber der kleine, flinke Räuber aus der Familie der Marder hat den Ruf, besonders schnell zu sein. Wer von A nach B wieselt, bewegt sich also mit hohem Tempo, zu Fuß oder im Auto. Man sagt auch wieselflink. Die ÖBB-Doppelstockzüge für den schnellen Nahverkehr in Ballungsräumen werden als Wiesel bezeichnet.
Nicht zuletzt der Vogel. Ja, es stimmt, vögeln geht auf die gefiederten Flugtiere zurück. Ursprünglich war das Fangen von Vögeln gemeint, dann das Wahrsagen aus dem Vogelflug und schließlich das Begatten zweier Vögel. Der mittelalterliche Dichter Oskar von Wolkenstein (1377-1445) hat das Wort noch doppeldeutig verwendet: im Sinne von Vogelfangen und im sexuellen Sinn: „Wenn nun beginnt der Vogelfang/und Köder, Falle stehn bereit,/dann hört man süßen Lockgesang/und viel Geschnauf in kurzer Zeit./Die Schöne hat leicht singen:/sie stiehlt mir jede Fertigkeit/der Vogelkunst ab wie im Spiel/ihr Klemmholz treibt's sogar so weit,/dass es den Gimpel zu oft will,/die Hütte kommt zum Klingen/von diesen Dingen.“
Irgendwann wurde das Wort von den Vögeln auf die Menschen übertragen und nur dort verwendet. Ob es anschaulich ist?
---------
Wenn Sie diesen wöchentlichen Sprachblog regelmäßig lesen wollen, klicken Sie am Smart Phone bzw. am Tablet auf die drei waagrechten Striche in der Suchleiste: Ganz oben auf dem sich öffnenden Fenster finden Sie neben dem klassischen Benützerzeichen (kleiner stilisierter Kopf) den Schriftzug "Anm...". Am Laptop erscheint beides rechts oben automatisch. Falls die Darstellung am Laptop zu groß sein sollte, verkleinern Sie die Darstellung durch gleichzeitiges Drücken von Strg. und von -



Kommentare