top of page

Der Spottname Piefke und die Niederlage bei Königgrätz

Autorenbild: Robert Sedlaczek
Robert Sedlaczek
vor 3 Tagen
2 Min. Lesezeit

Die Legende lebt. Wieder einmal ist in einem wichtigen Medium behauptet worden, dass der Spottname Piefke etwas mit der Niederlage Österreichs gegen die Preußen bei Königgrätz zu tun hat. Der Ausdruck gehe auf den Namen des Militärmusikers Gottfried Piefke zurück. Dieser hatte bei der preußischen Militärparade am 31. Juli 1866 in Gänserndorf die Marschmusik dirigiert und sogar einen Königgrätzer Marsch komponiert. Darauf hätten die Wiener gerufen: "Die Piefke kommen!" Der Spottname war geboren.


Johann Gottfried Piefke (geb. 1815 in Schwerin, gest. 1884 in Frankfurt/Oder), Militärmusiker und Komponist
Johann Gottfried Piefke (geb. 1815 in Schwerin, gest. 1884 in Frankfurt/Oder), Militärmusiker und Komponist

In Universum History vom 23. Oktober wurde diese Legende auf die Spitze getrieben. "Der Kapellmeister war den Österreichern schon vorher bekannt, liest man in einem begleitenden Internet-Beitrag zur Fernsehsendung. "Beim Dänischen Krieg war er (Gottfried Piefke) bereits dabei. Angehörige der Habsburger Armee hätten ihn da schon kennenlernen können."


In der ORF-Sendung wird außerdem berichtet, dass Gottfried Piefke 1865, ein Jahr vor Königgrätz, von Kaiser Franz-Joseph die Goldene Medaille des Kaisers von Österreich verliehen wurde. Das ist plausibel, die Schlussfolgerung in der Universum-History-Folge aber nicht: "Und so hat der 'Piefke' vielleicht seinen Ursprung nicht in einem Feind, sondern einem Verbündeten, den man hochgehrt hat." Preußen war 1866 längst kein Verbündeter mehr, wie kurz zuvor im Dänischen Krieg.


In Wirklichkeit ist Piefke eine erfundene Figur des Berliner Humoristen Adolf Glasbrenner, und Piefke war das Zerrbild eines Berliners. Der Sprachforscher Anton Karl Mally hatte das schon vor vielen Jahren recherchiert und publiziert.


Nach Österreich importiert wurde der Ausdruck von Moritz Gottlieb Saphir. Er war ein Mitarbeiter Glasbrenners in Berlin gewesen. Im Jahr 1848 tauchte in der von Saphir redigierten Wiener Zeitschrift Der Humorist das Witzfigurenpaar "Piefke und Pufke" auf. Bemerkenswert ist, dass im Gegensatz zu Glaßbrenner der Name nun für einen Wiener verwendet wurde.

 

Im März 1849 komponierte Johann Strauß Vater die Piefke-und-Pufke-Polka und setzte damit diesem Witzfigurenpaar auch ein musikalisches Denkmal - eineinhalb Jahrzehnte vor Königgrätz.


Aber könnte es sein, dass die Wiener die Militärparade zum Anlass nahmen, dem Namen Piefke die heutige Bedeutung zu geben?


Anton Karl Mally, damals Bibliothekar in der Nationalbibliothek, hat alle Zeitungen und Schriften rund um den 31. Juli 1866 durchforstet: Nirgendwo war ein Hinweis auf den Kapellmeister Piefke zu finden. Die Wiener wussten nicht, wer in Gänserndorf den Taktstock schwang. Sie hatten auch andere Sorgen. Würden die Preußen weiter Richtung Wien marschieren?


Die Idee, dass Piefke ursprünglich ein anerkennender und nicht abwertender Ausdruck für einen deutschen Militärmusiker war, ist skurril, noch skurriler als die Idee, das Wort Piefke wäre eine Rache für Königgrätz gewesen.


Nein, der Name ist eine Berliner Erfindung, gemeint ist ein bornierter, arroganter Mensch. Solche Menschen gibt es auch bei uns.


 
 
 

Kommentare


bottom of page