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Latein soll ein Orchideenfach werden

Autorenbild: Robert Sedlaczek
Robert Sedlaczek
vor 9 Stunden
2 Min. Lesezeit

Der Angriff von Christoph Wiederkehr auf den Lateinunterricht konnte gerade noch abgewehrt werden, jetzt bläst die Universitätenkonferenz, bestehend aus 22 Rektoren, ins selbe Horn. Nicht einmal Juristen und Mediziner sollen für den Studienabschluss Lateinkenntnisse vorweisen müssen, und auch die meisten Lehramtsstudenten brauchen sich nicht mehr "mit dem resthumanistischen Glumpert beladen", so Heinz Sichrovsky ironisch-bissig in seinem NEWS-Blog. Die wichtigsten Ausnahmen sind Philosophie, Geschichte und Katholische Theologie.


Die Begründung: Die meisten Studenten würden das Latinum erst kurz vor dem Bachelor-Abschluss absolvieren. Daher sei es für die Bewältigung des Studiums offenbar nicht erforderlich. 


"Der neoliberale Ausbildungsbegriff wird da auf die Spitze getrieben", schreibt Sichrovsky. im Blog des Magazins NEWS, der übrigens gratis abonnierbar ist. "Statt sich wie früher durch Ausprobieren und Verwerfen an den idealen Lebensentwurf heranzutasten, wird ein junger Mensch heute nach Punkten durch ein verschultes Studium gehetzt. Was seine Einspeisung in den Wirtschaftskreislauf verzögert, ist wegzumachen."


Nach meinem Dafürhalten ist das Lateinstudium damit auf dem Weg, ein Orchideenfach zu werden. Eines der Kleinstudien, an denen dann später immer zuallererst gespart wird. Wobei mir der Ausdruck Orchideenstudium merkwürdig erscheint: Er wurde geschaffen mit dem Argument, dass Orchideen exotisch und pflegeintensiv seien. Meine Erfahrungen gehen in die gegenteilige Richtung: Sie sind pflegeleicht - und wunderschön.


(c) Matthias Boekel, Pixabay
(c) Matthias Boekel, Pixabay

Weil es gerade zum Thema passt: Da bricht die Chefredakteurin des "Österreichischen Wörterbuchs" im ORF-Mittagsjournal eine Lanze für das maskuline grammatikalische Geschlecht von "Virus". Während der Pandemie habe es eine Chance gegeben, "der Virus" als Austriazismus festzuschreiben. Aber der Chefsprecher des ORF habe entschieden, dass es in den Programmen "das Virus" heißen müsse.


Der Gebildete weiß: Lateinisch virus mit der Grundbedeutung "Gift" ist ein Neutrum. Daher ist der Ausdruck in der Fachsprache ein Neutrum.


Aufgrund fehlender Lateinkenntnisse ist umgangssprachlich "der Virus" zu hören.


Dieser Gegensatz zwischen Fachsprache/Bildungssprache einerseits und Umgangssprache andererseits ist kein österreichisches, sondern ein gesamtdeutsches Phänomen. Folglich taugt der Ausdruck nicht für einen herbeigeredeten Gegensatz zwischen dem österreichischen Deutsch und dem deutschen Deutsch.


Aber wenn niemand mehr Latein kann, ist eh alles wurscht.


 
 
 

1 Kommentar


Erich Wallner
vor 8 Stunden

Mich wundert, wie viele Leute sich z.B. in den USA (um viel Geld) in der Mayo Clinic behandeln lassen. Wo doch keiner der Ärzte dort je Latein in der Schule gehabt hat und auch keine Lateinprüfung im Studium absolvieren musste ...

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