Karl Klammer und der Plagiatsstreit mit Bert Brecht um die Dreigroschenoper - eine Ausstellung im Bezirksmuseum Döbling
- Robert Sedlaczek

- 10. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Er ist ein vergessener Österreicher und soll nun aus seinem Katakombendasein heraustreten: Karl Klammer, geboren 1879 in der Endphase der Habsburgermonarchie, gestorben 1959 in der Zeit des Wiederaufbaus, stand vor knapp hundert Jahren im Mittelpunkt eines aufsehenerregenden Plagiatsstreits. Bert Brecht hatte aus Klammers Villon-Übersetzung 40 Verszeilen übernommen und vergessen, den Übersetzer zu nennen - ein Urheberrechtsverstoß. Als der Kritiker Alfred Kerr in einer Berliner Zeitung dies aufdeckte, wehte ein Wirbelsturm durch den Blätterwald. Sogar Karl Kraus meldete sich in der Fackel zu Wort: pro Brecht und kontra Kerr.
Nach dreijähriger Recherche ist es so weit: Am Sonntag, dem 14. September, um 10 Uhr wird meine Karl-Klammer-Ausstellung im Bezirksmuseum Döbling im Beisein des Bezirksvorstehers offiziell eröffnet. In meinem einleitenden Vortrag geht es nicht nur um die geschichtsträchtige Grinzinger Villa, in der Klammer mit seiner Frau Margarete lebte, sondern auch um Klammers literaturgeschichtliche Bedeutung.
Karl Klammer war mit seiner Übersetzung von Arthur Rimbaud und François Villon ein Wegbereiter des Expressionismus im deutschen Sprachraum. Durch diese zwei Bücher hat auch Bert Brecht die damals kaum bekannten französischen Autoren kennen und schätzen gelernt.
Der aufsehenerregende Plagiatsstreit rund um die Dreigroschenoper wurde laut Klammer in finanzieller Hinsicht gütlich bereinigt. Von der ersten Abrechnung der deutschsprachigen Bühnenrechte kaufte Karl Klammer seiner Frau einen kleinen Weingarten direkt vor seiner Grinzinger Villa und ließ einen Dreigroschentropfen keltern.
War Bert Brecht ein kaltschnäuziger oder ein reuiger Plagiator? Warum zerbrach Klammers Freundschaft mit Stefan Zweig? War Alexander Lernet-Holenia im Plagiatsstreit ein fairer Sekundant Klammers? Lernet-Holenia hatte in Klammers Dragonereinheit Nr. 9 in Ostgalizien gedient, ohne zu wissen, dass der berühmte Rimbaud-Nachdichter sein Vorgesetzter war ...
-------------
Die Termine
Sonntag, 14. September, 10 Uhr: Offizielle Ausstellungseröffnung im Beisein des Bezirksvorstehers
Mittwoch, 17. September, 18.30 Uhr: Buchpräsentation mit anschließender Führung durch die Ausstellung
Bezirksmuseum Döbling, Döblinger Hauptstraße 96.
Siehe auch die Informationen auf der Webseite des Bezirksmuseums: www.bm1190.at

Kommentare