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Neue Studie zeigt: Die österreichischen Journalisten bewahren Austriazismen vor dem Aussterben

Autorenbild: Robert Sedlaczek
Robert Sedlaczek
2. Sept.
3 Min. Lesezeit

Das Sommerloch in der medialen Berichterstattung wird oft mit Sprachthemen gefüllt - so auch dieses Jahr. Kaum eine Zeitung hat es verabsäumt, über die unerwarteten Ergebnisse einer Studie von Frau Univ.-Prof. Alexandra Lenz von der Universität Wien zu berichten.


Grundtenor: Die wichtigsten Austriazismen sind stabil, sie werden nicht durch Ausdrücke aus dem deutschen Deutsch ersetzt. Die Angst vor deren Aussterben sei also "überzogen", so war es in den Medien zu lesen, zu hören und zu sehen. Das österreichische Deutsch sei nicht in Gefahr.


Diese Aussage steht im Gegensatz zu dem, was wir Tag für Tag erleben. Viele junge Leute reden so, wie sie es in den deutsch-synchronisierten Kinofilmen und in den Programmen der deutschen Fernsehanstalten hören: die Cola statt das Cola, Aufnahmeprüfung statt Aufnahmsprüfung etc. Auch wissenschaftliche Studien unter österreichischen Schülern und Lehrern kommen zu dem beunruhigendem Ergebnis: Das österreichische Deutsch steht unter Druck. Beunruhigend deshalb, weil Sprache auch immer identitätsstiftend ist. 


Wie sagt man in Österreich? Wörterbuch des österreichischen Deutsch von Jakob Ebner (Cover-Ausschnitt der 3. Auflage, Dudenverlag,1998, inzwischen sind zwei weitere aktualisierte Auflagen erschienen, zuletzt unter dem Titel Österreichisches Deutsch, Wörterbuch der Gegenwartssprache in Österreich).
Wie sagt man in Österreich? Wörterbuch des österreichischen Deutsch von Jakob Ebner (Cover-Ausschnitt der 3. Auflage, Dudenverlag,1998, inzwischen sind zwei weitere aktualisierte Auflagen erschienen, zuletzt unter dem Titel Österreichisches Deutsch, Wörterbuch der Gegenwartssprache in Österreich).

Wie kommt nun die Mainzerin Alexandra Lenz, die seit 16 Jahren in Österreich lebt und sich den Ruf einer hervorragenden Germanistin erworben hat, zu dem unerwarteten Ergebnis?

Untersucht wurden in einer Langzeitbetrachtung 76 Wörter des österreichischen Deutsch - von insgesamt 7.000 oder 8.000 Wörtern, die in Fachbüchern als "österreichisch" registriert sind, zum Beispiel im Variantenwörterbuch der deutschen Sprache, an dem auch der Österreicher Jakob Ebner mitgearbeitet hat. Manche sind nur im Raum Wien und Umgebung frequent, während im Süden oder im Westen ein anderer Austriazismus Geltung hat. Auch das wurde berücksichtigt. Daneben steht "als Gegner" ein Pendant im deutschen Deutsch. Wie oft kamen die 76 Austriazismen vor zwanzig Jahren in den österreichischen Zeitungen vor und wie oft heute? Wie oft sind sie ihrem "Gegner" unterlegen?


Es sind Wörter dabei, von denen zu erwarten war, dass sie bleiben. Solange die Matura noch Matura heißt, wird niemand Abitur sagen oder schreiben. Wenn in den Datumszeilen der Zeitungen und in den Kalendern Jänner steht, hat der Januar keine Chance. Die Innung der Rauchfangkehrer, so nennt sich diese, kümmert sich nicht um die Kaminkehrer und Kaminfeger im Westen Österreichs - Rauchfangkehrer ist und bleibt der Standardausdruck im österreichischen Deutsch. Ein Schornsteinfeger oder gar ein Essenfeger ist uns fremd. Österreichisch Haube, Kappe und Mütze mit deutschen Ausdrücke zu vergleichen ist wenig sinnvoll - Mütze ist in Deutschland ein Oberbegriff für Kopfbedeckungen, die kein Hut sind. Aber das wäre das Thema eines weiteren Blogs.


Auch viele Wörter aus dem kulinarischen Bereich sind stabil, das wissen wir: Faschiertes Laberl und Faschierter Braten (nicht Frikadelle, Buletten, Hackbraten etc.) und Schweinsbraten (nicht Schweinebraten). Selbst lecker kommt heute in den Zeitungen wider Erwarten nicht öfter vor als vor zwanzig Jahren. Wohl gemerkt: In den Zeitungen! In meinem Bekanntenkreis grassiert das Wort lecker, auch bei älteren und durchaus sprachbewussten Menschen.


Die Studie dokumentiert aber nicht den Sprachgebrauch in Österreich, wie ein oberflächlicher Leser der Berichte meinen könnte, sondern die selbst auferlegten Normen der Journalisten. Die Journalisten sind es, die bestrebt sind, unseren Sprachgebrauch zu erhalten.


Wenn ein frischg'fangter Journalist aus Deutschland in einem österreichischen Medium Quark schreiben würde? Gnade ihm Gott!

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Alexandra N. Lenz (et al.): Austriacisms and Their Co-Variants—Short-Term Diachrony in the 21st Century; in: Languages 2026, Volume 11, Issue 5, (5); die Studie in englischer Sprache (!) is hier abrufbar.


 
 
 

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