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Die beleidigte Leberwurst - und warum es Menschen mit diesem Namen nicht leicht haben

  • Autorenbild: Robert Sedlaczek
    Robert Sedlaczek
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Stunden

Neulich bin ich gefragt worden, wie die Wendung Spiel' nicht die beleidigte Leberwurst! entstanden ist. Warum gerade die Leberwurst und nicht irgendeine andere "gefüllte Haut"?


Die Leberwurst wird in nahezu allen Regionen des deutschen Sprachraums gern gegessen - in Österreich ist sie als Streichwurst oft Teil einer Brettljause - und genauso weit verbreitet ist die Redewendung Spiel' nicht die beleidigte Leberwurst! oder Sei nicht eine beleidigte Lebewurst!


(c) Wolf-Henry Dreblow, Pixabay.
(c) Wolf-Henry Dreblow, Pixabay.

Dass die Leberwurst vor Ärger über ihre Zurücksetzung vor einer Blutwurst platzte, die vor ihr aus dem Wurstkessel herausgenommen wurde, ist eine Legende, die für Obersachsen bezeugt ist. In Wahrheit liegt der Grund für die Wortbildung in einer abergläubische Vorstellung, die weit in die Vergangenheit zurückreicht.

Heute gilt das Gehirn als Schaltzentrale der Gefühle, doch in der mittelalterlichen Medizin, ebenso wie schon im Altertum, wurde diese Rolle der Leber zugeschrieben - sie galt als Sitz der Lebenssäfte und damit auch der Temperamente, insbesondere der negativen Emotionen Wut, Zorn und Neid.


Von daher stammen einige gängige Redewendungen:


o die beleidigte/gekränkte Leberwurst spielen, eine beleidigte/gekränkte Leberwurst sein: ohne triftigen Grund schmollen.


o mir rennt/läuft eine Laus über die Leber: ich ärgere mich, ich bin schlecht gelaunt.


o frei von der Leber weg reden: offen sprechen, das heißt: ohne Emotionen; ohne Hemmungen.


o Er hat etwas auf der Leber: es drückt ihn eine Schuld, er hat ein schlechtes Gewissen.


Regionale Varianten sind:


o e weich Leberle han (schwäbisch): von weicher Gemütsart sein.


o 's Leberle isch übergloffe (schwäbisch): er hat einen Zornausbruch.


o et is em net öm die Lewer (siebenb.-sächs.): schlecht gelaunt sein.


o ea daschieasst si mid ana Lewawuascht (wienerisch): er spielt nur den Lebensmüden.


Die Galle hatte einen ähnlichen Ruf: Da geht mir die Galle hoch ist ebenfalls ein Relikt dieser Vorstellung. In der Tat arbeiten die Leber und die Galle im menschlichen Körper eng zusammen. Kein Wunder, dass sie auch in den Wendungen eine ähnliche Rolle spielen.


Und wie kam die Wurst ins Spiel? Es dürfte sich um eine jüngere Wortbildung handeln, aus einer Zeit, als die Etymologie in Vergessenheit geraten ist. Durch das Anhängen dieses Wortes bekommt die Wendung zusätzlich einen spöttischen Charakter. Der Eingeschnappte bzw. Beleidigte wird zu einem Würstel.


Für Menschen mit dem Familienamen Leberwurst, und das sind in Österreich, Deutschland und in der Schweiz einige, kann die Redewendung eine Belastung sein, könnte man doch meinen, dass sie häufig grundlos beleidigt sind. In Wirklichkeit haben sie den Namen von einem Vorfahren, der ausgezeichnete Würste produziert hatte. Dass Berufsbezeichnungen zu Familiennamen wurden, ist keine Seltenheit: Bauer, Fischer, Schneider, Zimmermann etc.


Aber es kann bei Nennung des Namens auch zu Missverständnissen kommen, wie mir ein Leser dieses Blogs schrieb. Folgendes hat sich tatsächlich zugetragen:


Kommt ein neuer Mitarbeiter erstmals in die Werkskantine. Er heißt Gerhard Leberwurst, ist Nebenerwerbsbauer im Weinviertel. Er hat noch keine Essensmarke, und die Serviererin fragt ihn nach dem Namen. Er sagt: „Leberwurst.“ Darauf sie: „Nein, den Namen bitte!“

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Quellen:

Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Freiburg im Breisgau 1973,

Robert Sedlaczek: Das große Wörterbuch des Wienerischen, Innsbruck 2023.

Die Anekdote, die mir dankenswerter Weise Dieter Schöfnagel übermittelt hat, wurde am 23. August eingefügt.

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